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MODE Schlüpfer im Rampenlicht

aus DER SPIEGEL 45/2000

Was der Mensch gern am Leib trägt, das leidet. Die Folge: Gerade die liebsten Kleidungsstücke sind oft die schäbigsten. Mal ist der Stoff aufgeraut, mal zeugen verwaschene Farben oder seltsame Flecken von einem bewegten Leben. So ausgeleiert das gute Stück auch ist - oft verbieten süße Erinnerungen des Besitzers den Gang zum Altkleider-Container. Doch nicht jeder traut sich im Zeitalter des Markenfetischismus noch mit Gammel-Outfit an die frische Luft. Solchen Feiglingen bieten nun zwei Jung-Designerinnen praktische Statushilfe an. Gegen 50 Mark Gebühr versehen Silke Wawro und Kirsten Hermans die abgeliebten Lumpenstücke mit ihrem »Volksware.org«-Schildchen. Denn prangt »ein unbekanntes Label« neben dem Loch im Pullover, so Wawro, »bekommt der Betrachter den Eindruck, es handelt sich um Mode«. Das wiederum verleihe »dem Loch die Existenzberechtigung«. Zusätzlich landet der Fummel samt Foto und Lebensgeschichte im Internet. Rund 250 Teile, darunter auch ein Schlüpfer, stehen schon im digitalen Rampenlicht. Derzeit ist die »Volksware.org«-Kollektion im Berliner Büro für Graphik (Torstraße 102, bis zum 9. November) ausgestellt.

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