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NEU IN DEUTSCHLAND Schmutzige Wäsche

aus DER SPIEGEL 33/1967

Cottorna (Schweden). Ohne Wasser wird kein Schwedenfilm gedreht. Hier fließt, gluckst, dampft und faucht es in einer Wäscherei und reinigt auch den Körper, wenn die Oberwaschfrau (Eva Dahlbeck) zärtlich die Lesbentaille ihrer Angestellten (Gio Petré) seift.

In einem fensterlosen Kellergemäuer hat der Regisseur und Drehbuchautor Henning Carlsen eine geschlossene Damengesellschaft versammelt. Ein Dutzend mürrischer Wäscherinnen hadert da mit der Welt und den niederträchtigen Männern und haßt die heroinenhafte Oberin.

Das hitzige Milieu, aus dem deutlich symbolische Schwaden steigen, gerät in böses Brodeln, als die sapphischen Badewonnen der Oberin enthüllt werden: Die Weiber erheben sich gegen die Gefallene und waschen schmutzige Wäsche, diesmal ganz ohne Wasser.

Aus dem Bottich sexueller Drangsal schöpfte Carlsen einen eher reißerischen denn seriösen Film, und die Problematik läßt er auf Rührung stranden: Die Männer hasse sie, beichtet die Oberin, seit einer Vergewaltigung, und die eingeseifte Angestellte liebe sie eher wie ein Kind.

Weil derweil die Waschmaschinen stillstehn und kein Wasser fließt, rauscht unsichtbar dazu das Meer.

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