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Schock durch Ruhm

Shirley MacLaine: »Raupe mit Schmetterlingsflügeln«. Deutsch von Eva Schönfeld. Goverts/Krüger/Stahlberg; 284 Seiten; 22 Mark.
aus DER SPIEGEL 15/1972

Diese Filmstar-Memoiren drehn sich keineswegs darum, wer alles die Autorin fabelhaft gefunden habe. Shirley MacLaine ("Das Appartement«, »Irma La Douce"), die immer gewußt haben will, daß sie »nie eine wirklich überragende Schauspielerin werden würde«, geht mehr auf die Problematik ihres Weltruhms ein:

»Mein Machtwort konnte das Leben eines Menschen, den ich nie gesehen hatte, ruinieren ... Wer früher kein Blatt vor den Mund genommen hatte, vermied jetzt ängstlich, mich womöglich mit einem herzhaften Wort zu kränken, und haschte immerfort nach Bestätigungen meiner unverminderten Achtung und Hochschätzung. Andere hingegen wurden übertrieben schroff und kritisch, damit ich bloß nicht dächte, sie kröchen vor mir ... Daß ich sie verändert hatte, war ein geheimer Schock für mich.«

Im übrigen stellt sich der Star den Lesern als energische Entdeckungsreisende und fleißige Propagandistin für die Bürgerrechtsbewegung vor. Das Buch handelt von bösartigen Neger-Quälern in Amerika, von einem kernigen Pariser Straßenmädchen, das der Zuhälter mit Rauschgift an sich fesselt, von thailändischen Boxern, die -- das Publikum rast vor Entzücken -- in den Seilen sterben, von »Mülltonnenbabys« in Kalkutta und von jenem Afrikanerstamm, der vermutlich in rund fünfzig Jahren ausgerottet sein wird, durch die Syphilis.

Name Dropping ist kein Laster der Mac Laine. Das, immerhin, erzählt sie doch: Als sie den Klatschreporter Connelly geohrfeigt hatte, verehrte ihr der Ex-Mittelgewichtsmeister Rocky Graziano ein Paar Boxhandschuhe, und John F. Kennedy schickte ein Glückwunschtelegramm.

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