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Schroeters »Rosenkönig«

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aus DER SPIEGEL 5/1987

Eine Rose blüht im Zeitraffer auf, die Schauspielerin Magdalena Montezuma schiebt ihren mageren, vom Tod gezeichneten Körper durchs Bild, ihre Füße hinterlassen Spuren im Sand, ihr Blick schweift himmelwärts, von einer zerschnittenen Rose tropft Blut - kein Zweifel, in Werner Schroeters neuem Film »Der Rosenkönig« kündet alles vom Tod. Schroeter hat mit diesem Werk seiner Schauspielerin Montezuma, die Ende 1985 gestorben ist, ein Denkmal gesetzt. Die ist im Film jedoch nicht nur die Rose, die verblüht, sondern auch Besitzerin einer Rosenfarm in Portugal und Mutter eines Sohnes. Dieser ist von der Idee der vollkommenen Rose besessen und von der Liebe zu einem schönen Kirchendieb, den er am Ende tötet und in seinen aufgeschlitzten Adern Rosen bettet; den Toten trägt er in den Garten, während die Farm niederbrennt. Schroeters Film, der in den nächsten Wochen in einigen Programmkinos läuft, raunt wieder mal von Kitsch, Poesie Traurigkeit und einer Wehmut, die einen fast zerreißt. Mit diesem »Rosenkönig«, der auch vom Tod einer bestimmten Ästhetik im deutschen Film kündet, hat sich Werner Schroeter selbst übersteigert. Das ist auch ein Triumph, um so mehr, als ihm das Treibhaus öffentlicher Filmförderung verschlossen war.

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