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Schuften und hungern

Robert Crichton: »Die Camerons«. Deutsch von Hermann Stiehl; Rowohlt; 456 Seiten; 29,80 Mark.
aus DER SPIEGEL 7/1974

Buchhändlern stiftet der RowohltVerlag zur Förderung dieses Bestsehers Schlipse mit Schottenmuster. »Die Camerons« sind Schotten, die um 1900 im schmutzigen Pitmungo schuften, knausern und manchmal auch hungern.

Robert Crichton, der amerikanische Romanverfasser, dessen Großvater noch Bergmann und noch Schotte war, entwirft ein eher imponierendes als rührendes Gruppenbildnis vor dem Hintergrund sehr sachte angehender Klassenkämpfe. Er sieht auf Einzelheiten, hat sich umgetan. Die anerzogene Blindheit von Arbeiterfrauen gegenüber nackten Männern, die noch nicht vom Grubenschmutz gereinigt sind, wird ebenso erläutert wie die jäh erlahmte Freßlust eines Salms, der aus dem Salzwasser ins Süßwasser gekommen ist.

Das Milieu hebt den Roman von ähnlichen Familienbüchern ab. Es färbt ihn düsterer und gestattet mehr Belehrung und sogar eine bedingte Aktualität. Ein Sohn der Camerons verläßt die Eltern, weil er sie, die nebenher ein bißchen Geld beim Zwischenhandel einstecken. als Ausbeuter ablehnen muß.

Caroline Boll
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