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Schwacher Film zu starkem Buch

aus DER SPIEGEL 3/1989

Das letzte Wort im Film »Herbstmilch« hat Anna Wimschneider: die echte, 70jährige Bäuerin aus dem niederbayerischen Rottal, die vor fünf Jahren mit Erzählungen aus ihrem Leben zur Bestsellerautorin wurde. Schwarzvermummt ist sie minutenlang durch verschneite Landschaften geradelt und gibt das Rezept für Herbstmilchsuppe preis, derweil der Abspann schon die Namen derer nennt, die ihre lakonisch erzählte Geschichte zu einer Liebesromanze in düsterer Zeit verwässerten, einem recht faden Süppchen also. Peinlich bedacht, der Vorlage alle ländliche Exotik zu nehmen, haben Kameramann und Regie-Debütant Joseph Vilsmaier und sein »Heimat«-erfahrener Drehbuchautor Peter Steinbach auch allen Schrecken daraus gebannt. Im bewährten Stall- und Stubenrealismus knarren dafür Dielen, knirschen Nazistiefel. Die Original-Heldin soll übrigens mit der Darstellerin ihrer Jugend, Vilsmaier-Gattin Dana Vavrova, ehemals Janina in »Ein Stück Himmel«, sehr zufrieden gewesen sein. Aber geklagt hat Anna Wimschneider ohnedies nie, und »so, wie es einmal war, das kann man doch nicht spielen«.

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