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Schwarzweiß-Film in Computerfarben

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aus DER SPIEGEL 33/1986

Die Auferstehung alter Schwarzweiß-Klassiker in frischer Farbe, durch Computertricks koloriert: Davon träumt man in Hollywood seit zwanzig Jahren. Die Prozeduren sind immer noch langwierig und teuer, und das Resultat ist bloß video-, aber nicht kinotauglich. Dennoch werden Erfolge vermeldet: Zu Weihnachten ging ein erster Oldtimer in Bunt-Version über amerikanische TV-Kanäle, jetzt wurde Frank Capras Komödie »It's a Wonderful Life« von 1946 in satten Farben zum Videokassetten-Hit: 25000 verkaufte Kopien zum Stückpreis von rund 40 Dollar, obwohl die Schwarzweiß-Fassung desselben Films für 10 Dollar zu haben ist. Prominente Regisseure von Woody Allen und Stanley Kubrick bis Fred Zinnemann und David Lean protestieren gegen die Einfärbung, die den Computertechnikern, ganz nebenbei, neue Urheberrechte an den Filmen verschafft. John Huston nennt die Prozedur so barbarisch, »als würde jemand eine Leonardo-da-Vinci-Zeichnung farbig anpinseln«. Ein Fernseh-Vermarkter der Color-Werke empfiehlt dagegen ungerührt: »Wer die Sache nicht mag, kann ja einfach an seinem Fernseher die Farbe wegdrehen, dann hat er das perfekte Schwarzweiß-Original.

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