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Kunstmarkt Schwierige Empfängnis

aus DER SPIEGEL 24/1994

Ist die Kunstwelt um ein Meisterwerk des spanischen Barockmalers Velazquez reicher? Ja, behaupten die Experten des Auktionshauses Sotheby's, das am 6. Juli in London eine »Unbefleckte Empfängnis« anbietet. Das Bild der vor nächtlichem Himmel auf der Mondkugel stehenden Jungfrau Maria war, stark verschmutzt, 1990 in Paris als Werk aus dem Velazquez-Umkreis immerhin für rund 5,3 Millionen Mark versteigert worden. Fachmännische Reinigung hat seinen Glanz seither erheblich gesteigert - und seinen Marktwert: Sotheby's erwartet von der Sensation jetzt mindestens das Dreifache. Als das Gemälde allerdings vorige Woche vorab in Madrid gezeigt wurde, meldeten zwei frühere Prado-Direktoren Zweifel an. Einer, Alfonso Perez Sanchez, sieht vielmehr die Hand Alonso Canos am Werk: des einzigen Zeitgenossen, »der zur Nachahmung von Velazquez' Stil fähig war« - so der amerikanische Spezialist Jonathan Brown, der aber gerade die »Unbefleckte Empfängnis« anhand von Stil- und Motivvergleichen dem Meister selbst anrechnet. Sollte er sich täuschen, dann müßten wohl noch etliche Bilder Velazquez abgeschrieben werden, und Cano wurde stark aufgewertet. So verweist der französische Kritiker Alain Moreau auf eine unpublizierte Cano-Zeichnung in Privatbesitz. Sie sei die »Geburtsurkunde« für eine gemalte »Marienkrönung« im Prado, die dort zu Unrecht als Werk des Velazquez gelte.

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