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FILM Schwüle Nächte

»Der große Leichtsinn«. Spielfilm von Jim McBride. USA 1986; Farbe; 108 Minuten. *
aus DER SPIEGEL 12/1988

Die Stadt wird terrorisiert von einem Bandenkrieg. Fast täglich muß die Polizei ausrücken. Zwei Rauschgift-Gangs dezimieren sich gegenseitig in einer gnadenlosen Schlacht.

Aber die Männer von der Mordkommission tauchen immer zu spät an der Hinrichtungsstätte auf und können nur noch blutüberströmte Leichen besichtigen. Das bringt sie nicht weiter aus der Ruhe. Denn wenn die beiden Banden sich gegenseitig liquidieren, so ihr praktischer Gedanke, wird der Polizei eine Menge Arbeit abgenommen. Wozu sich anstrengen? Zumal die Unterwelt fürs Nichtstun Schmiergelder bezahlt.

Der Schauplatz ist New Orleans, eine Stadt, deren spezielles Klima durch den Spitznamen »The Big Easy« (so der amerikanische Originaltitel) treffend charakterisiert ist. Dort, wo sich der Mississippi in den mexikanischen Golf wälzt, wo Afrika im Voodoo-Kult noch ganz nahe ist, wo Hitze und Schwüle das amerikanische Tempo aufs menschliche Maß herabsetzen und wo der Jazz geboren wurde, dort schiebt, ganz easy, Remy McSwain seinen Dienst in der korrupten Mordkommission.

In diese Bullen-Idylle bricht störend ein fremdes Wesen aus dem Norden ein. Die junge Staatsanwältin Anne Osborne kommt mit dem Auftrag nach New Orleans, den Korruptions-Sumpf der Polizei trockenzulegen.

McSwain ist der Mann für solche Fälle, ein lässiger Charmeur mit gewinnendem Grinsen. Unverzüglich übernimmt er die Aufgabe, die Moral-Bombe zu entschärfen und Ungemach vom Revier fernzuhalten.

Die Strategie seines Macho-Hirns: Liegt die strenge Dame erst einmal flach und ist sie angesteckt vom betörenden Trubel der schwülen Nächte in New Orleans, wird sie sich dem ortsüblichen Laissez-faire anschließen und weniger intensiv bei der Polizei herumschnüffeln.

McSwain taut, wie geplant, die kühle Blonde auf und dirigiert sie behutsam ins Bett. Doch dem Mississippi-Beau unterläuft ein Kunstfehler: Nach der heißen Nacht verliebt er sich plötzlich, nicht geplant, in die Staatsanwältin. Die ist nun zwar ganz locker, läßt sich aber trotzdem nicht in ihren Ermittlungen gegen die Polizei bremsen.

Als McSwain bei einem Erpressungsversuch ertappt wird, klagt ihn die geliebte Staatsanwältin an, und nur mit einer perfiden Manipulation kann er sich einen Freispruch erschleichen - in New Orleans allemal Anlaß, eine Party mit Musik zu feiern. So versammelt sich der Familien-Clan der McSwains, dessen Mitglieder fast alle bei der Polizei beschäftigt sind, zu einem rauschenden Freispruch-Fest.

Remy ist noch einmal davongekommen, aber sein sonniger Zynismus schwindet. Als sein Bruder von Gangstern umgelegt wird, wechselt er die Fronten. Gemeinsam mit Anne erledigt er die Rauschgift-Unterwelt von New Orleans, und am Ende, wie das Kino so spielt, sind die beiden ein schönes Paar.

Daß Jim McBrides romantische Thriller-Komödie ein hochklassiges Vergnügen _(Mit Ellen Barkin, Quaid. )

bietet, verdankt sie vor allem drei Zutaten: den glänzend aufgelegten Schauspielern Ellen Barkin und Dennis Quaid, die ihre Pointen so treffsicher placieren wie einst Katharine Hepburn und Cary Grant; dem Soundtrack mit der anfeuernden Musik Süd-Louisianas und dem Schauplatz - New Orleans mit seinem beneidenswert sinnlichen Mßiggang. Arnd Schirmer

Mit Ellen Barkin, Quaid.

Arnd Schirmer
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