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Schwüle Tage in Clichy

aus DER SPIEGEL 34/1990

Am Himmel kreisen die Geier, und der alte Mann wendet sich mit Grausen. Claude Chabrol inszeniert um seine sehr freie Adaption von Henry Millers »Stille Tage in Clichy« eine surreale Rahmenhandlung, die den Schriftsteller als Lustgreis vorführt. In lichten Farben und fast fellinieskem Ambiente lassen sich Andrew McCarthy als Millers Alter ego und Kumpan Carl (Nigel Havers) durch Cafes und Bordelle treiben, fasziniert vor allem von der schönen Colette (Stephanie Cotta). Daß Variety hier »neue Abgründe von Schmutz« entdeckte, hat wohl mehr mit Amerikas neuer Prüderie zu tun. Denn das Schärfste an diesem beschaulichen Softsex-Reigen in schwülstiger David-Hamilton-Manier ist das Filmplakat: Da macht sich ein nacktes Nymphchen mit dem Rasiermesser unter den Achseln zu schaffen.

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