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STARS »Sehr rothaarig«

Die französische Schauspielerin Charlotte Gainsbourg, 35, über ihren neuen Film »Golden Door« und die Last, prominente Eltern zu haben
aus DER SPIEGEL 22/2007

SPIEGEL: Frau Gainsbourg, Sie haben ja wieder dunkle Haare. In Ihrem neuen Film »Golden Door« sieht man Sie aber mit einer flammenfarbenen Hochsteckfrisur.

Gainsbourg: Das war eine Perücke. Der Regisseur wollte, dass ich mich deutlich von den anderen Charakteren abhebe. Ich spiele eine mysteriöse Engländerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts mit lauter sizilianischen Auswanderern auf ein Schiff nach Amerika steigt, wo sie alle das Glück zu finden hoffen. Neben den Italienern wirke ich sehr groß, sehr blass und eben sehr rothaarig - im Grunde ist die Assoziation »Prostituierte«. Aber man erfährt nie genau, wer meine Rolle ist und woher sie kommt. Nicht einmal ich selbst durfte es wissen. Ich sollte dieses Geheimnis sozusagen mitspielen.

SPIEGEL: Sie haben mal gesagt, Sie seien während dieses Films vereinsamt.

Gainsbourg: Das ist wahr. Die meisten in der Crew sprachen italienisch, andere spanisch, da wir in Argentinien drehten. Dann haben auch noch viele Schauspieler sizilianisch gesprochen, was komplett anders ist als das gängige Italienisch. Ich saß abends häufig da und dachte: Wieder mal so ein Tag, an dem ich mit niemandem gesprochen habe.

SPIEGEL: Ihr Vater war der französische Musiker-Poet Serge Gainsbourg, Ihre Mutter Jane Birkin stammt aus der britischen Upperclass. In welcher Sprache fühlen Sie sich heimisch?

Gainsbourg: Ich denke und träume auf Französisch. Mit meinen Kindern spreche ich französisch. Mit meinem Freund spreche ich englisch - aber nur als Geheimsprache, vor den Kindern.

SPIEGEL: Sie mögen Ihre Stimme nicht, wie zu lesen war. Dabei klingt sie doch sehr hübsch, klar und unschuldig?

Gainsbourg: Eben. Sie ist mir zu weich.

SPIEGEL: Madonna gefiel Ihre Stimme so gut, dass sie eine Dialogzeile aus Ihrem Film »Der Zementgarten« in einem ihrer Songs verwendete. Hat sie Sie darum gebeten?

Gainsbourg: Ja! Sie rief mich an und fragte, ob sie diesen Satz verwenden dürfe. Sie war so wahnsinnig schnell und professionell, dass ich kaum ein Wort rausbrachte. Ich habe mich nicht einmal getraut zu fragen, was genau sie an der Stelle mochte. Ich sagte einfach nur drei Sätze: »Hallo«, »Ich hör's mir an« und »Tschüs«. Zu dumm. Dabei hat ihre Musik meine Jugend begleitet.

SPIEGEL: Sie haben mal gesagt: Ich habe es sehr leicht in meinem Leben. Können Sie das überhaupt beurteilen?

Gainsbourg: Möglicherweise nicht. Aber ich lebe in einer schönen Gegend in Paris, hatte nie Geld- oder Existenzsorgen. Wir waren immer wohlhabend. Meine Eltern sind nicht nur sehr beliebt in Frankreich, die Menschen fühlen sich unserer Familie auch sehr nah. Heute, wohlgemerkt. Als ich Kind war, haben die Leute nicht so nett über uns geredet. Meine Mutter war nackt auf Magazincovern, mein Vater schockierte eine Menge Leute mit seinen Auftritten und Texten. In der Schule hörte ich, was die Eltern zu ihren Kindern über uns gesagt hatten.

SPIEGEL: Was war das?

Gainsbourg: Es war jedenfalls nicht süß, glauben Sie mir.

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