Bei Dreharbeiten Senta Berger berichtet von Vergewaltigungsversuch

Sie habe in ihrer Karriere immer wieder mit übergriffigen Kollegen zu tun gehabt, sagt Senta Berger. In einem Interview mit der »Zeit« erhebt sie schwere Vorwürfe gegen O. W. Fischer – und auch gegen Kirk Douglas.
Senta Berger (2019)

Senta Berger (2019)

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Felix Hörhager / picture alliance / dpa

Die Schauspielerin Senta Berger berichtet, in ihrer Karriere wiederholt sexuellen Missbrauch am Set erlebt zu haben. Bei den Dreharbeiten zu »Es muss nicht immer Kaviar sein« (1961) habe der Schauspieler O. W. Fischer versucht, sie zu vergewaltigen: »Danach hätte ich eigentlich sagen müssen: Ich kann morgen nicht mit Ihnen drehen und diesen Film nicht mit Ihnen machen. Aber O. W. Fischer hat gewusst, dass ich das nicht sagen würde«, sagte Berger der »Zeit«. Nach den sechswöchigen Dreharbeiten habe sich O. W. Fischer dann mit dem Faust-Zitat »Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan« bei ihr entschuldigt.

Bereits 2006 hatte Berger in ihrem Buch »Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann« erstmals vom Übergriff Fischers berichtet und dabei auch Missbrauchsvorwürfe gegen die Schauspieler Charlton Heston und Richard Widmark erhoben.

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Im »Zeit«-Interview nun erwähnt sie zudem, der Schauspieler Kirk Douglas, der aus einer russisch-jüdischen Familie stammte, habe versucht, sie gegen ihren Willen zu küssen. Berger und Douglas hatten gemeinsam für den US-Kriegsfilm »Der Schatten des Giganten« (1966) vor der Kamera gestanden. Als sie sich gewehrt habe, habe er sich mit dem Satz gerechtfertigt: »Your people killed my people«, sagte Berger. »Das fand ich eine unglaubliche Zusammenführung. Darüber hätte man vielleicht mal mit der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich sprechen müssen. Über diese erotische Anziehung, die ein ›war baby‹ offensichtlich hatte. Über die Faszination der Erniedrigung, die man ihm zufügen könnte.«

Durch #MeToo, so Berger, hätten sich die Machtverhältnisse und das Geschlechterverhältnis geändert: »Aber meiner Ansicht nach wird zu viel über die Sprache und Gendersternchen diskutiert und zu wenig über die realen Verhältnisse. Und zu viel über Schauspielerinnen und zu wenig über Putzfrauen oder Busfahrerinnen.«

sak
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