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KRITIKER Sigrid Löffler zürnt - und irrt

aus DER SPIEGEL 43/2001

Wüster, nun auch vor Gericht ausgetragener Streit tobt um den richtigen Umgang mit den Tagebüchern des postum wieder entdeckten ungarischen Schriftstellers Sándor Márai (1900 bis 1989). »Ein einziges Ärgernis« sei die siebenbändige deutsche Ausgabe des Berliner Oberbaum-Verlags (SPIEGEL 52/2000), wütete die Kritikerin Sigrid Löffler in ihrer Zeitschrift »Literaturen« unter der Überschrift »Sándor Márai, misshandelt«. Sie bemängelte nicht nur - was diskutabel wäre - den Mangel von Einleitungen und Erläuterungen; sondern sie unterstellte zudem dem Berliner Kleinverlag eine schnöde »Spekulation mit dem Márai-Boom«. Löfflers Zorn traf ausgerechnet den Ein-Mann-Verlag des literaturbesessenen Verlegers, Lyrikers und Márai-Herausgebers Siegfried Heinrichs, dessen Programm so erlesen wie schwer verkäuflich ist. Heinrichs Verdienste als deutscher Márai-Pionier sind unter sachkundigen Kritikern unbestritten.

Offenbar fällt der Vorwurf mangelnder Sorgfalt in diesem Fall auf die Kritikerin zurück: Gegen Tatsachenbehauptungen wie die, in den Tagebuch-Übersetzungen werde ein Herausgeber nicht genannt, erwirkte der Attackierte beim Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung.

Frau Löffler darf unter anderem nicht mehr behaupten, die Oberbaum-Ausgabe präsentiere mehr Tagebuchseiten als von den Rechte-Inhabern zugestanden. Hält sich Sigrid Löffler nicht an diese Entscheidung, so drohen bis zu 500 000 Mark Ordnungsgeld. Die Friedrich Berlin-Verlagsgesellschaft, in der »Literaturen« erscheint, hat den Gerichtsbeschluss bereits akzeptiert.

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