Berliner Verlag Chefredakteur von "Berliner Zeitung" hat gekündigt

Schluss nach drei Wochen: Matthias Thieme, Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier", hat seine Kündigung eingereicht. Die Verlagseigner Silke und Holger Friedrich sehen sich mit neuen Vorwürfen konfrontiert.
Die einstige Redaktion der "Berliner Zeitung" in Mitte: 2019 hatte der bisherige Eigentümer DuMont das Blatt an das Ehepaar Silke und Holger Friedrich verkauft

Die einstige Redaktion der "Berliner Zeitung" in Mitte: 2019 hatte der bisherige Eigentümer DuMont das Blatt an das Ehepaar Silke und Holger Friedrich verkauft

Foto: Schoening Berlin/ picture alliance

Silke und Holger Friedrich wollen das Mediengeschäft beschleunigen, jetzt verschleißen sie im Rekordtempo Führungspersonal: Nach SPIEGEL-Informationen hat der Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier" am Sonntag seine Kündigung eingereicht - nach nur drei Wochen auf diesem Posten. Holger Friedrich reagierte am Sonntagnachmittag nicht auf eine Anfrage des SPIEGEL zur Bestätigung dieser Nachricht.

Matthias Thieme, Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier", hat gekündigt

Matthias Thieme, Chefredakteur von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier", hat gekündigt

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Marc Brinkmeier/ Matthias Thieme/ dpa

Matthias Thieme war vom Berliner Verlag im Dezember 2019 als Chefredakteur für digitale Produkte verpflichtet worden. Am 10. Februar verkündete der Verlag, dass die bisherigen Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar Jehn das Unternehmen verlassen würden. Thieme führte seither als alleiniger Verantwortlicher die Redaktionen von "Berliner Zeitung" und "Berliner Kurier". Zuvor war Thieme Co-Chefredakteur der "Frankfurter Neue Presse".

Seit der IT-Unternehmer Holger Friedrich und seine Frau Silke den Berliner Verlag im Herbst 2019 von der Kölner Verlagsgruppe DuMont gekauft haben, erschüttern immer wieder irritierende Nachrichten das traditionsreiche Unternehmen.

Zunächst hatten sich die Friedrichs Anfang Oktober mit einem ambitionierten und wortreichen, dabei aber weitgehend unverständlichen Manifest zur Reform der Zeitung und der Gesellschaft im Allgemeinen zu Wort gemeldet und sich damit Verwunderung und Spott eingehandelt. DER SPIEGEL berichtete im November über die Einflussnahme der Verlagseigentümer auf die redaktionelle Berichterstattung der "Berliner Zeitung", die lobend über eine BioTech-Firma berichtet hatte, an der Friedrich beteiligt ist. Die "Welt" enthüllte, dass Holger Friedrich in der Endphase der DDR als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) für die Stasi gearbeitet und diese Tätigkeit Redaktion und Verlag verschwiegen hatte. Am Sonntag schließlich veröffentlichte die "Welt am Sonntag" eine Recherche, nach der die Friedrichs jahrelang widerrechtlich die Existenz einer eigenen GmbH in der Schweiz vorgetäuscht haben sollen.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, Matthias Thieme sei vor seinem Engagement beim Berliner Verlag stellvertretender Chefredakteur der "Frankfurter Neue Presse" gewesen. Tatsächlich war er Co-Chefredakteur. Wir haben den Fehler korrigiert.

kuz

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