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Sobols skandalöser Alptraum in Transformationen

aus DER SPIEGEL 15/1991

Daß die Welt verrückt geworden ist, ist ein altes Theaterthema, aber nirgends so aktuell wie im Nahen Osten und in dem Drama »Das Jersualem-Syndrom": Eine Gruppe Geistesgestörter probt ein Stück über den Aufstand der Juden und den daraus folgenden Untergang des Judenstaats im Jahr 70 nach Christus. Die Juden, kann man aus der Fabel lesen, haben ihren Untergang selbst verschuldet. Der israelische Dramatiker Joshua Sobol ("Ghetto") wurde wegen dieses »Alptraums in 44 Transformationen«, so der Untertitel des Stücks, 1987 als Direktor des Stadttheaters Haifa vergrault. Zur deutschsprachigen Erstaufführung des Skandal-Stücks, vorigen Donnerstag am Wiesbadener Staatstheater, hat Regisseur Johannes Klaus die gefährliche Gratwanderung zwischen den beklemmenden Realitäten von einst und jetzt als einen grausigen Maskentanz mit zwei Klavieren, vielen Kopulationen und Sobol-typischen Revue-Einlagen inszeniert - ein für Wiesbaden etwas zu schwerlastiges Unternehmen.

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