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FERNSEHEN / SERIEN Solo nach Emma

aus DER SPIEGEL 20/1967

Jeder zweite Dienstag ist sein Diensttag, da rettet er die Welt -- im Zweiten Deutschen Fernsehen.

Napoleon Solo, Agent des geheimen Großbundes O.N.C.E.L., steht im steten Kampf gegen die katilinarischen Existenzen des geheimen Großbunds THRUSH. Die amerikanische TV-Agenten-Serie wird seit letzter Woche Deutschen sichtbar -- in 26 Folgen, das Stück zu 50 Minuten, zeigt Mainz die Solo-Touren.

Mainz« Herz war schwer. Seit Oktober letzten Jahres hatte die britische Agentenkomödie »Mit Schirm, Charme und Melone« dem ZDF so viele Zuschauer zugeführt, wie sonst nur Lou van Burg mobilisieren kann -- über 16 Millionen pro Folge.

Im letzten Monat lief die Briten-Serie aus -- wer hatte nun den gleichen Appeal wie Emma Peel, die Lady in Leder? Der O.N.C.E.L. aus Amerika, entschied Mainz. ZDF-Filmredakteur Tettenborn glaubte: »Da kann eigentlich nichts schiefgehen.«

Denn O.N.C.E.L.'s Ankunft war vorbereitet worden -- so von »Hör zu«. Das TV-Programmblatt bot seinen Lesern einen Preis (500 Mark) für die beste Eindeutschung des Originaltitels »The Man from U.N.C.L.E.« -- kurz für United Network Command for Law and Enforcement (etwa: Organisation für die Durchsetzung des Rechtes). Eine »liebe gute Mutti« ("Hör zu") aus Großingersheim bekam den Preis -für »Solo für O.N.C.E.L.«.

Mit dem Solo hat sich der Schauspieler Robert Vaughn, 34, in Amerika populär gemacht. Er trägt auf kurzem Halse einen Korsenkopf, lächelt sardonisch und wirkt wie ein halbstarker James Bond.

Aber Vaughn will nicht bloß als O.N.C.E.L.-Agent die Welt retten. Wie den einstigen Filmschaffenden Ronald Reagan, der jetzt als republikanischer Gouverneur Kalifornien vorsteht, drängt es ihn zur Politik: »Ich mache erst mal Geld, denn in der Politik kann nur mitmischen, wer genügend in der Tasche hat.«

Vaughn, der pro Solo-Drehwoche 20 000 Mark verdient, hält zu den Demokraten. Sein Idol ist John F. Kennedy -- in Vaughns weißem Haus in Hollywood, das unerwünschte Besucher mit elektronischen Schuß- und Bellgeräuschen abweist, steht ein Schreibtisch, wie ihn Kennedy besaß.

Vaughn, der als »Kind immer weinte«, heute jeden Morgen zwei Meilen spurtet, täglich 42 Vitaminpillen ißt und nebenbei politische Wissenschaften studiert ("Das Töten in Vietnam muß aufhören"), will seine Polit-Karriere nicht übereilen: »In zehn Jahren bin ich politisch fit. Wir brauchen gute Männer auf diesem Gebiet, und ich will einer davon sein.«

Inzwischen lernt er Taktik bei O.N.C.E.L. -- sein Agenten-Assistent Illya Kuryakin, verkörpert vom blonden Schotten David McCallum, 33, droht ihn zu überspielen. McCallum bekommt Briefe wie: »Du bist das größte Ding nach Erdnußbutter und Götterspeise.

Als Illya Kuryakin stellt er einen Russen vor, der für O.N.C.E.L. streitet -- das Unternehmen ist international wie das verbrecherische Konkurrenz-Syndikat THRUSH (deutsch: Drossel). Mit Waffen aus dem Bond-Zeughaus widerstehen Solo und Kuryakin den Drossel-Männern, die mit Ultraschall und Nervengas hantieren.

Erstaunlicherweise dirigiert die Nonsens-Aktionen der »Drosseln« nicht ein wahnwitziger Dr. No -- ein kühler Computer gibt Kommandos.

Er muß auch Emma Peel gekidnapt

haben.

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