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Songs vom trüben Leben

aus DER SPIEGEL 34/1987

Als Lebensgefährtin Mick Jaggers war Marianne Faithfull, die jetzt nach längerer Pause wieder eine LP herausgebracht hat, eine der schillerndsten Pop-Ikonen der 60er Jahre, und wie etliche andere Protagonisten des Swinging London erlebte sie die 70er Jahre als Drogenwrack. Plötzlich und unerwartet tauchte die Sängerin, die 1964 das Jagger/Richards-Stück »As Tears Go By« zum Welthit gebracht hatte, 1979 wieder auf, mit dem respektablen Album »Broken English«. Ihre Stimme klang schartig, düster und melancholisch - offenbar hatten sich die trüben Erfahrungen heftig ins Timbre eingegraben. Noch schwärzer und verhangener klingt die LP »Strange Weather«, mit der sich die Faithfull nun, nach weiteren Tiefs, auf der Szene zurückmeldet. Originell und eindrucksvoll interpretiert sie Songs ("As Tears Go By« inklusive), deren Herkunft bis in die Salon- und Kaffeehausmusik der 30er Jahre zurückreicht und die kaum noch etwas mit gegenwärtigen Popstilen zu tun haben. Vielleicht passen sie deshalb besonders gut zu dieser seltsamen, ungewöhnlich gebrochenen Gruft-Stimme.

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