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Brigitte Maria Mayer Spätes Debüt

aus DER SPIEGEL 6/2022
Foto:

Anna-Lena Krause

Die Berliner Fotografin und Filmemacherin Brigitte Maria Mayer, 56, hat sich für ihre erste Arbeit als Theaterregisseurin ein Stück ihres 1995 verstorbenen Ehemanns ausgesucht – des Dramatikers Heiner Müller. »Falls irgendwer damit ein Problem hat, ist das sein oder ihr Problem, nicht meines«, sagt sie. Es ist ein spätes Debüt, das Mayer am kommenden Wochenende am Landestheater Tübingen mit ihrer Version des Beziehungsdramas »Quartett« abliefert. »Ich hatte, glaube ich, lange Angst vor einer Bewertung einzig auf Basis des großen Namens Heiner Müller«, sagt die für ihre Fotoarbeiten und Videoinstallationen hochgelobte Künstlerin. Von der Institution Theater sei sie lange »sehr abgetörnt« gewesen. »Quartett«, eine Bearbeitung des Briefromans »Gefährliche Liebschaften« aus dem späten 18. Jahrhundert, ist das erfolgreichste aller Heiner-Müller-Stücke. Es fand auch international Anerkennung. Regisseurin Mayer sieht im zentralen, sich nach jungen Lustobjekten verzehrenden Liebespaar, der Mar­quise de Merteuil und dem Vicomte de Valmont, unter anderem eine Spiegelung moderner mutmaßlicher Missbrauchstäter wie Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein. Müllers Drama über eine »im Grunde toxische Beziehung«, so sagt Mayer, habe sie während der Inszenierungsarbeit in Tübingen noch mehr schätzen gelernt: »Es ist schön, dass man immer noch Neues in diesem Text entdeckt, je tiefer man gräbt.«

HÖB
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