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Kino in Kürze »Spiel auf Zeit«

aus DER SPIEGEL 47/1998

Attentäter, die einen Spitzenpolitiker umbringen wollen, sind in der Regel gut beraten, wenn sie Gelegenheit dazu an einem stillen Örtchen suchen. Sportlicher, spektakulärer und also kinomäßiger ist es hingegen, das Ding vor großem Publikum über die Bühne gehen zu lassen; nicht umsonst hat Hitchcock mit einem Attentat in einem Sinfoniekonzert Furore gemacht. Da es den Regisseur Brian De Palma wieder einmal lockte, Hitchcock übertrumpfen zu wollen, hat er nun ein Attentat in einer Boxkampfarena in Szene gesetzt, wobei der Todesschuß genau im Augenblick des K.-o.-Schlags fällt. Das Arrangement ist zwar konspirationstechnisch absurd, aber filmsportlich ergiebig, weil es der Effekthascherei Tür und Tor aufreißt. Während Nicolas Cage bis zur Selbstparodie überdreht als korrupter Cop auf Verbrecherjagd dem Publikum Dampf macht, kann sich De Palma mit lügnerischer Rückblende, Kamera-Sturzflug, Pirouette und Purzelbaum den Ekstasen der zweckfreien Virtuosität hingeben

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