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SPIELBANKEN

In Hamburg soll nächstes Jahr das 22. deutsche Spielcasino eröffnen. Doch schon vor Konzessionsvergabe kam"s unter den Bewerbern rum ersten Spielbank-Streit.
aus DER SPIEGEL 45/1976

Abends beim Skat, den er gern riskant spielt, kam dem Hamburger Journalisten Wilfried Achterfeld, 44, eine noch heißere Runde in den Sinn. Warum, fragte der »Stern«-Redakteur seine Mitspieler, lasse der Stadtstaat eigentlich »die Hamburger ihre Kohlen nach Travemünde«, ins dortige Spielcasino, tragen, statt sich damit die eigene öffentliche Hand zu wärmen. Das war vor fünf Jahren.

Am Dienstag letzter Woche erhielt der Mann vom »Stern« eine Offerte vom Senat, demnächst bei sich selber einkellern zu lassen. Denn im kommenden Jahr soll die Hansestadt, in der Spielbanken seit 1868 verboten waren, nach dem Willen des Landesparlaments tatsächlich ein Casino erhalten -- das 22. in Deutschland. Und Achterfeld nebst zwei Partnern, Bewerber für die Konzession. kam in der Vorentscheidung der zuständigen Senatskommission unter zwei Dutzend rivalisierenden Gruppen als Gewinner heraus.

Es war sein Glück. daß einer seiner Skatbrüder. der Verlagskaufmann John Jahr, 43, damals beim Casinogespräch hellhörig geworden war. Darüber, meinte der, müsse man mal mit »Väterchen« reden. Und der wiederum, Zeitschriften-Millionär John Jahr senior, 76, fühlte prompt bei Honoratioren im Rathaus vor -- über die Jahre mit Erfolg.

Denn der Senat, wo man sich zunächst über den Gedanken an eine »Spielhölle« entsetzt hatte, möchte sich -- mit 80 Prozent gesetzlicher Mindestabgabe vom Spielbankgewinn -- nun doch ein wenig Erleichterung von drückenden Haushaltssorgen schaffen. Dies, zumal im Casino Hittfeld die Kohlen aus Hamburg seit letztem Jahr auch in unmittelbarer -- niedersächsischer -- Nachbarschaft geschaufelt werden. Jahreseinnahmen in Hittfeld: 26 Millionen, in Travemünde: rund 20 Millionen Mark.

Altverleger Jahr wäre nicht er selbst, hätte er sich nicht nach. den Talern auch hier gebückt. Der »legendäre Mann« ("Bild"), erst Sport-Reporter, dann SPIEGEL-Teilhaber, heute zu einem Viertel am Verlag Gruner + Jahr beteiligt ("Stern«, »Brigitte«, »Capital«, »Schöner Wohnen"), verhalf mit »Bankbestätigungen über Wertpapiere und Beträge« (Jahr) -- gegen seine und seines Sohnes Beteiligung -- nun auch Achterfelds Skatidee zum Zuge.

Tags nach dem Vorentscheid gab"s allerdings ein kräftiges Kontra. Das Jahr-Trio hatte nämlich als Standort der Spielbank auch das Hamburger Hotel »Intercontinental« vorgeschlagen, das dann, mit erstklassiger Alsterlage in Citynähe, bei der Senatskommission den größten Anklang fand. Die drei Herren wollen daher dort, im ausbaufähigen neunten Stock, ihren Betrieb mit zwölf Roulette-Tischen, mit Bakkarat und Black Jack eröffnen.

Das aber, trugen nun die Eigentümer des Hotelgebäudes vor, sei mit den dreien gar nicht ausgemacht worden. Vielmehr, erklärte Eigentümer-Spreeher Hermann Kroepels, Aufsichtsratsvorsitzender der Hamburger Hotel-Verwaltungsgesellschaft, habe man die Etage für den Casinozweck vertraglich einer anderen, vom Senat hintangesetzten Bewerbergruppe an die Hand gegeben. Zu dieser Gruppe zählen das Travemünder Casino und Kroepels selbst mit der Hotel-Eigentümergesellschaft.

Intercontinental-Hausherr Kroepels, derart vertragsgebunden an den Spielbank-Mitbewerber Kroepels, hatte, wie sich nun herausstellte, seit Jahr und Tag in aller Ruhe mit angesehen, wie Konkurrent Jahr und weitere Casino-Rivalen immer mit der falschen Adresse verhandelten: der Direktion des Intercontinental-Hotelbetriebs. Diese, von den Hauseigentümern mit dem Tisch- und Bettenservice beauftragt, konnte über Ausbau und Nutzung der fraglichen Etage gar nicht verfügen. Kroepels schadenfroh: »Ich kenne die Gespräche.« Jahr, der die Besitzverhältnisse zu spät durchschaute, begriff: »Gut eingefädelt.«

Hausherr Kroepels wüßte freilich, wie man aus dem Dilemma herauskommen könnte. So. wie er mit seiner Eigentümergesellschaft, zu deren Teilhabern mehrere Hamburger Hotels gehören, bislang an einer erfolglosen Bewerbergruppe beteiligt sei -- mit 25,5 Prozent -, könne man sich doch ebensogut dem erfolgreichen Jahr-Terzett anschließen.

»Wenn Herr Jahr«, so Kroepels Ende letzter Woche, »sagen sollte, über Anteile unserer Hotelgesellschaft am Casino sei nicht zu sprechen, dann könnte ich mir vorstellen, daß wir auch nicht in Mietverhandlungen für das Intercontinental mit ihm eintreten.«

Dann wäre dem Hamburger Senat bevor er überhaupt die Konzession vergeben hat, zum erstenmal die Bank gesprengt.

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