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Sprung ins Ungewisse

aus DER SPIEGEL 51/1990

Wer Marco Stanley Fogg heißt, nach dem Chinafahrer, dem Afrikaforscher und nach Jules Vernes Weltreisendem - dem bleibt kaum etwas anderes übrig, als es den illustren Paten nachzutun und selber eine Reise ins Unbekannte zu wagen. Nur, daß die Erde bis in den hintersten Winkel vermessen ist und Menschen auch den Mond schon betreten haben. Die letzte Herausforderung also: die geheimnisvolle Region des Ich zu erkunden, zumal dann, wenn man wie Fogg den eigenen Vater nicht kennt.

Paul Austers fünfter Roman handelt, höchst kunstvoll, von den Irrwegen der Selbstfindung. Er treibt mit seinem Helden ein Spiel, dessen Witz in der Regel liegt, daß man sich erst verlieren muß, bevor man sich finden kann.

Fogg riskiert den Sprung ins Ungewisse. Ihn locken die Steinwüsten Manhattans. Ganz auf sich allein gestellt, ohne Wohnung und Einkommen, ein Stadtnomade, überläßt er sich den Launen des Zufalls. Er verschwindet in der Anonymität - und löst damit eine Kettenreaktion von seltsamen Ereignissen aus, die ihm Schritt für Schritt das Geheimnis seiner Herkunft enthüllen. Der Großvater - ein Landschaftsmaler, der einst in den Weiten des amerikanischen Westens untertauchte. Der Vater - ein unförmiger Koloß, der sich aus der Welt in die Fleischberge seines Körpers zurückzog.

Auster, geboren 1947, versteht sich darauf, mit erzählerischer Intelligenz Verwirrung zu stiften, um sie aufs pfiffigste wieder aufzulösen. Raffiniert und elegant hat er drei Versuche, sich selbst fremd zu werden, um sich neu entdecken zu können, in drei denkwürdigen Lebensläufen miteinander verknüpft.

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