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»Spur«-Malerei gegen Harmonie und den fetten Bauch

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aus DER SPIEGEL 18/1986

Sie protestierten, in einem Manifest von 1958 »gegen die Wahrheit, gegen das Glück, gegen die Zufriedenheit, gegen das gute Gewissen, gegen den fetten Bauch, gegen die Harmonie. Sie forderten den »Kitsch«, »den Irrtum« und »einen ehrlichen Nihilismus«. Mit provokanten Sprüchen sowie mit ruppigen Bildern und fremdartigen Objekten machte die Münchner Künstlergruppe »Spur« bis zur Mitte der sechziger Jahre von sich reden. Eine Ausstellung der Städtischen Galerie Regensburg (bis 25. Mai, später in Mülheim und Ulm) rollt dieses Kapitel deutscher Nachkriegskunstgeschichte wieder auf. Eindrucksvoll bleibt die malerische Rage von »Spur«-Mitgliedern wie Heimrad Prem und Helmut Sturm, die sich auch zu einem »Sturz - Bild zusammentaten. Zugleich wird im Rückblick der Einfluß internationaler Zeitgenossen (Jorn, Dubuffet) deutlicher, während die Schockwirkung nachgelassen hat. Mit ihrer »Spur«-Zeitschrift waren die Künstler sogar zu einem Verfahren wegen Gotteslästerung gekommen. Aber Prem fragte denn doch ins Leere: »Warum gibt es nicht wenigstens ein Malverbot?«

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