Zur Ausgabe
Artikel 85 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Kino in Kürze »Standard Operating Procedure«

aus DER SPIEGEL 22/2008

rekonstruiert mit ungeheurer Präzision den Folterskandal im Gefängnis von Abu Ghureib. Die Fotos von lachenden US-Militärpolizisten, die nackte irakische Gefangene systematisch erniedrigen, gelten als das Symbol schlechthin für den moralischen Bankrott der USA. Oscar-Preisträger Errol Morris ("The Fog of War") gelang jetzt das Kunststück, einige der Täter vor laufender Kamera zu befragen, darunter die berüchtigte Militärpolizistin Lynndie England (SPIEGEL 7/2008). Verstärkt wird die verstörende Wirkung seiner Dokumentation noch dadurch, dass Morris zwischen die Interviewsequenzen nachgestellte Szenen schneidet, inszeniert mit mehr Aufwand als bei manch einem Hollywood-Film. Musste das sein? Braucht man wirklich allein 33 Schauspieler, mehrere Stylisten und einen »Action-Berater«, um weltberühmte gruselige Schnappschüsse ästhetisch konsumierbar zu machen? Die Berlinale-Jury zumindest war offenbar gerade von dieser Kombination beeindruckt: Sie zeichnete Morris' Werk im Februar mit einem Silbernen Bären aus.

Zur Ausgabe
Artikel 85 / 102
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.