Streit über die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Die geheimen Totengräber

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hüterin der Berliner Museumsinsel, soll aufgelöst werden, fordert eine Expertengruppe des Wissenschaftsrats. Doch um fast alle Mitglieder des Gremiums wird ein Geheimnis gemacht. Warum eigentlich?
Das Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel, Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, spiegelt sich in der Spree

Das Bode-Museum auf der Berliner Museumsinsel, Teil der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, spiegelt sich in der Spree

Foto: Christoph Soeder/ picture alliance/ dpa

In wenigen Wochen soll sich entscheiden, wie es mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) weitergeht - oder ob sie tatsächlich untergeht. Es handelt sich um die größte Kulturinstitution im Land, doch Mitte Juli hatte der Wissenschaftsrat behauptet, vor allem wegen ihrer Größe sei die SPK nicht überlebensfähig. Ein entsprechendes Gutachten der Experten war bereits als Nachruf angelegt, vorgeschlagen wurde eine Auflösung der SPK.

Deren Aufsichtsgremium, der politisch angeführte Stiftungsrat, hat für den 19. August eine Sondersitzung anberaumt. Innerhalb der SPK selbst gibt man sich reformbereit, aber auch vorsichtig kämpferisch. Eine Sprecherin betont, es sei nicht klar, wie die weiteren Schritte aussähen, der Prozess sei "ergebnisoffen".

Die SPK soll laut dem Gutachten begraben werden, nicht aber die Einrichtungen, die ihr unterstehen. Das sind die Staatsbibliothek, das Ibero-Amerikanische Institut, das Geheimarchiv, das Staatliche Institut für Musikforschung und die Staatlichen Museen zu Berlin. Am bekanntesten sind die Neue Nationalgalerie am Kulturforum und jene fünf Häuser auf der Museumsinsel, in denen Schätze wie die Nofretete oder der Pergamonaltar präsentiert werden. Insgesamt ist die SPK für Millionen Objekte, Bücher, Dokumente zuständig. Sie beschäftigt 2000 Mitarbeiter.   

Der Dinosaurier ist nicht zu retten

Laut Wissenschaftsrat krankt die Stiftung vor allem an ihrer Größe, sie sei zu schwerfällig, hinke digital und auch sonst hinterher. Ihre Museen könnten mit den Museen anderer Länder nicht mithalten (etwa mit dem Louvre in Paris). Man könne diesen Dinosaurier demnach nicht mehr retten, sondern eigentlich nur noch fachmännisch zerlegen, am besten in vier handlichere Teile. So fordern es die Sachverständigen.

Die Frage ist eben nur: Wer sind die Totengräber aus dem Wissenschaftsrat überhaupt? Wie kompetent sind sie, wie unabhängig? 

Marina Münkler (Vorsitzende der Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats), Dorothea Wagner (Vorsitzende des Wissenschaftsrats), Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Hermann Parzinger (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz) bei der Vorstellung des Gutachtens des Wissenschaftsrats am 13. Juli

Marina Münkler (Vorsitzende der Arbeitsgruppe des Wissenschaftsrats), Dorothea Wagner (Vorsitzende des Wissenschaftsrats), Kulturstaatsministerin Monika Grütters, Hermann Parzinger (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz) bei der Vorstellung des Gutachtens des Wissenschaftsrats am 13. Juli

Foto: Rolf Zoellner/ epd

Eine Anfrage des SPIEGEL nach der Identität der Mitglieder blieb bislang unbeantwortet; der Wissenschaftsrat berief sich darauf, das das schon immer so gehandhabt zu haben. Tatsächlich wird bei solchen Evaluierungen stets nur die Person namentlich genannt, die die zuständige Arbeitsgruppe anführt. Im Falle der SPK ist das die Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler. Für die übrigen Beteiligten pocht der Rat auf Geheimhaltung. Eine Sprecherin teilte mit, es gehöre "zu den Gepflogenheiten", die Mitglieder seiner Arbeitsgruppen nicht namentlich nach außen bekannt zu geben: "Das dient in erster Linie deren Schutz im Arbeitsprozess und hilft, sie vor Einwirkungen von außen zu schützen."

Doch das Argument, jemand könne sich in den Arbeitsprozess einmischen wollen, ist mit der Veröffentlichung hinfällig. In den diversen Einrichtungen der SPK müsste man ohnehin wissen, um welche Experten es sich handelt. Zumindest betont der Rat, dass die Arbeitsgruppe mit "Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf allen Hierarchieebenen gesprochen" habe. Da wird sich niemand vermummt haben.   

Unzeitgemäße Undurchschaubarkeit

Nach außen inszeniert sich der Wissenschaftsrat weiterhin als Mysterium, bemängelt die fehlende Fortschrittlichkeit der SPK - und pflegt selbst eine unzeitgemäße Undurchschaubarkeit.

Typischerweise besteht der Rat aus Mitgliedern der eigenen Wissenschaftlichen Kommission, das sind in der Regel Hochschullehrer und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Hinzu kommen externe Sachverständige sowie Vertreter von Bund und Ländern.

Was genau veröffentlicht wird, darüber stimmt eine wissenschaftlich und politisch besetzte Vollversammlung ab. Auch das Protokoll der jüngsten Sitzung könnte für die Öffentlichkeit von Interesse sein. Doch würde es nicht zum Wissenschaftsrat passen, es zu publizieren.

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