"Strukturelle Überforderung" Gutachten empfiehlt Auflösung von größter deutscher Kulturstiftung

Sie verwaltet zahlreiche Museen und beschäftigt 2000 Mitarbeiter: Ein Gutachten rät offenbar dazu, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz aufzulösen. Mittlerweile hat sich auch Monika Grütters dazu geäußert.

Zur Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit rund 2000 Mitarbeitern gehören die Staatlichen Museen Berlin, die Staatsbibliothek, das Geheime Staatsarchiv, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung. Wie die Wochenzeitung "Die Zeit" berichtet,  empfiehlt der Wissenschaftsrat nun eine Auflösung der größten Kulturstiftung des Landes. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte das Beratungsgremium des Bundes mit der Evaluation beauftragt.

Die Vielzahl der Institutionen unter der Dachorganisation führten zu einer "strukturellen Überforderung", heißt es nach Angaben der "Zeit" im Entwurf für die Sitzung des Wissenschaftsrats. Demnach kommen die Gutachter zu dem Schluss, dass die Bündelung der verschiedenen Museen und Einrichtungen unter einem Dach der Stiftung "dysfunktional" sei.

Stattdessen würde vorgeschlagen, vier eigenständige Stiftungen mit je eigener Leitung zu gründen. Bisher untersteht die Stiftung einem Präsidenten, dem Archäologen Hermann Parzinger. Sie steht schon länger in der Kritik, unter anderem wegen der Planung des Humboldt-Forums: "Wie alle zu groß gewordenen Imperien ist auch (die) (...) Stiftung Preußischer Kulturbesitz von Trägheit und Selbstbezogenheit befallen", schrieb etwa die "Süddeutsche Zeitung" 2017.  

"Chance für einen langfristigen substanziellen Reformprozess"

Mittlerweile hat sich auch Monika Grütters zu dem Gutachten geäußert: "Möglicherweise werden nicht alle Empfehlungen eins zu eins umgesetzt werden können", sagte die Kulturstaatsministerin der Deutschen Presse-Agentur in Berlin, "aber ich sehe bei allen Beteiligten eine große Offenheit und Bereitschaft, sich gut begründeten, auch weitreichenden Veränderungen zu stellen". Zu Einzelheiten wolle sie sich nicht äußern, bevor das Gutachten nicht vom Wissenschaftsrat verabschiedet worden sei.

Hinter der von ihr beauftragten Evaluierung stehe "der Wunsch, mehr als 60 Jahre nach Gründung der Stiftung eine fundierte Analyse ihrer heutigen Struktur und ihrer Arbeit zu erhalten, aber auch Erkenntnisse über Probleme und Veränderungsbedarf zu gewinnen". Es gehe darum, Empfehlungen für Modernisierungen und Reformen "aus der Hand einschlägiger Experten zu bekommen". Das Gutachten sei "Ausgangspunkt und Chance für einen langfristigen substanziellen Reformprozess", sagte Grütters.

Ende der Woche soll in einer Sitzung über das Gutachten abgestimmt werden. Für den 13. Juli hat der Wissenschaftsrat eine Pressekonferenz angekündigt, an der auch Grütters und Stiftungspräsident Hermann Parzinger teilnehmen sollen.

xvc/dpa
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