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Film Streit um Mandela-Rolle

aus DER SPIEGEL 21/1996

Kaum ein Politiker auf der Welt ist beliebter als er. Seine Autobiographie steht in vielen Ländern auf der Bestseller-Liste. Logisch, daß nun auch das Kino die Magie jenes Mannes einfangen will, der Südafrika von der Apartheid befreite: Gleich zweimal soll jetzt am Kap das Leben Nelson Mandelas verfilmt werden. Die beiden Produktionen, einerseits finanziert von den amerikanischen »Showtime Networks« in Zusammenarbeit mit »Hallmark Entertainment«, andererseits organisiert vom südafrikanischen Produzenten Anant Singh, wetteifern darum, wer den authentischen Mandela-Film drehen wird.

Die Amerikaner, die bereits in Kapstadt mit den Dreharbeiten (Arbeitstitel: One Man, One Vote) begonnen haben, glänzen mit Stars: Der Afro-Amerikaner Sidney Poitier spielt Mandela, der Brite Michael Caine dessen Gegner und späteren Verbündeten, Frederik Willem de Klerk. Südafrikas Produzent Anant Singh, der schon in den Apartheid-Jahren mutige Oppositionsfilme drehte, erwarb die Rechte an der Mandela-Lebensbeschreibung »Der lange Weg zur Freiheit«. Der große alte Mann am Kap selbst gab ihm seinen Segen für den geplanten Streifen.

Singh, der die Hauptrolle noch nicht vergeben hat, steht jetzt unter Druck. In Leserbriefen und Talkshows diskutiert die Nation die Besetzungsfrage: Wer soll den Mann spielen, der schon zu Lebzeiten zur Legende geworden ist? Kann ein US-Star (Denzel Washington, Morgan Freeman und Laurence Fishburne sind im Gespräch) oder sollte nicht besser ein südafrikanischer Schauspieler das Idol der schwarzen Massen Südafrikas darstellen? »Chauvinistisch und kleinkariert«, schimpft Südafrikas bekanntester Filmkritiker Barry Ronge: »Nur ein Film mit weltbekannten Namen kann auch ein internationaler Erfolg werden.«

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