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FILM / NEU IN DEUTSCHLAND Striche in Schwabing

aus DER SPIEGEL 3/1968

Zur Sache, Schätzchen (Deutschland). »Zur Sache, Schätzchen, komm ins Bettehen«, reimt der Schwabinger Untätige, lehrt die frische Resi (Uschi Glas) das »Fummeln« und gewinnt sie für ein »Match« auf dem Nachtlager. Die Herren vom jungen deutschen Film hatten im kleindeutschen Muff und Mief Problemen nachgestellt. Im talentvollen Debütfilm der jungdeutschen Regisseurin May Spils, 26, sind es die Betten, die die Welt bedeuten. Darin wird gekalbert, Schwabinger Rotwelsch genuschelt und arbeitslos philosophiert: »Es wird bös enden.«

Das flinkfidele, unkomplizierte Lotterspiel über Münchens Espresso-Jeunesse ist nach der Wirklichkeit gedreht. Die zierliche Künstlerin hat dem Leben und Lassen ihres schauspielernden Freundes Werner Enke, 26, zugesehen und mit ihm als Hauptdarsteller ein paar nette Stunden fabriziert.

Der Bettstatthalter, ein Grübel-Gammler, malt jeden Tag einen Strich an die Wand und vertreibt sich die Zeit mit Spielen der Unerwachsenen: Er streut Scherben im Freibad, verbrennt öffentlich seine Hose und entführt ein Zoo-Tier im Kinderwagen.

Am liebsten freilich schreckt er Polizisten. »Ich hab« den Reichstag angesteckt«, foppt er nach Teufels Art, »sehen Sie nicht, wie ich oben aus dem Hemd dampfe?«

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