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Ströbeles Konsequenz

aus DER SPIEGEL 23/1991

Die irakischen Raketenangriffe auf Israel seien »die logische, fast zwingende Konsequenz der Politik Israels«. Kaum hatte der Grünen-Vorstandssprecher Hans-Christian Ströbele den Satz gesagt, da mußte er schon die logischen Konsequenzen am eigenen Leib erfahren: Die Reise einer Grünen-Delegation nach Israel unter Ströbeles Führung mußte abgebrochen werden, Ströbele trat von seinem Amt zurück und versuchte, sich auf dem Klagewege zu rehabilitieren: Der Journalist Henryk M. Broder, der das Interview in der Süddeutschen Zeitung und in der taz veröffentlicht und über das Gespräch in der Jerusalem Post berichtet hatte, hätte ihm Sätze in den Mund gelegt, aus dem Zusammenhang gerissen, sinnentstellend wiedergegeben. Letzten Dienstag ging es vor der Pressekammer des Berliner Landgerichts am Ende nur noch um ein Zitat in dem Bericht der Jerusalem Post. Einen Bandwurmsatz von Ströbele über Saddam Husseins »ganz schlimme Großsprecherei« hatte Broder, etwas salopp, auf die englische Formel »Saddam Hussein has a big mouth« gebracht. Dies sei keine angemessene Wiedergabe des Gesagten und Gemeinten gewesen, befand das Gericht und gab in diesem Punkte Ströbele recht. Im übrigen wurde Ströbeles Klage abgewiesen.

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