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Surrealisten

aus DER SPIEGEL 29/1947

Paris hat wieder seine Sensation: 95 surrealistische Künstler stellen in der Galerie Maeght in der Avenue de Messine aus. Es zeigt sich, daß der gute Bürger, viele sagen: der Mensch mit einfachem, normalem Verstand und Begriffsvermögen, die Empfindung hat, kräftig aufs Haupt geschlagen zu werden.

Es ist nach 1938 wieder die erste Ausstellung des Surrealismus, der es sich zum Programm gemacht hat, »innere Bilder, Träume, alles Irreale sichtbar zu gestalten«. Ausstellungsstücke; die als »Kostproben« am Eingang zur Ausstellung aufgestellt sind; geben zu mehr oder minder bemerkenswerten Aeußerungen der Passanten Anlaß und bereiten den Besucher vor.

21 Stufen, die die Form von Buchrücken, haben, steigt man zur Ausstellung hinauf. An einem symbolischen Leuchtturm vorbei gelangt man in den, Saal des Aberglaubens«.

Man führt den Gast weiter in den »Saal der Reinigung«, in dem es dank einem ausgeklügelten Berieselungssystem leise, aber stetig regnet. Es liegt nahe, zu vermuten, daß »Regen« als äußere Ausdrucksform innerer Erlebnisse dem Surrealismus teuer ist. Schon in der Ausstellung 1938 »regnete« es sanft auf eine Schaufensterpuppe, die leer lächelnd in einem uralten Taxi saß, und über die lebende Schnecken krochen.

Unter den Traumgestalten sind manche, die die Hohe wahrhafter Poesie erreichen. Andere rufen den Verdacht wach, sie seien für das Grüselkabinett eines Panoptikums gedacht.

Es gibt Besucher, die sich viele Werke nach Freuds Psychoanalyse als Erscheinungsform von, Verdrängungen erklären. Die Surrealisten behaupten, auch diese Art der »Entäußerung« sei wichtig.

Kostprobe im Vorübergehen Surrealismus in Paris

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