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NEU IN DEUTSCHLAND Tagebuch einer Kammerzofe (Frankrerich/Italien).

aus DER SPIEGEL 39/1964

Regisseur Luis Bunuel,

Veteran des kämpferischen Surrealismus, reitet seine schon etwas klapprigen Steckenpferde noch einmal gegen die Bourgeoisie von einst. Einem Jahrhundertwende-Roman entnahm er Zustände in einem Bürgerhaus der französischen Provinz, verlegte sie in die Zeit um 1930 und fügte sie zum Modell einer total demoralisierten Gesellschaft: Der Hausherr ist Schuhfetischist und stirbt in sexueller Verzückung; seiner Tochter bereitet die eheliche Pflichterfüllung physische Pein; ihr ausgesperrter Ehemann stellt dem Personal nach; der Hausknecht, Anhänger der rechtsradikalen Action Francaise, begeht einen Sexualmord; die Kammerzofe gibt sich ihm hin, denunziert ihn bei der Polizei und heiratet einen kindischen Hauptmann. Die Monstrositätenschau wird vom Publikum vorwiegend als schwarzer Jux genossen. Bunuels Spitzen gegen Militär, Kirche und Antisemiten dringen nicht tief.

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