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Tarkowski für Fortgeschrittene

aus DER SPIEGEL 52/1987

Er war wohl, bis auf weiteres, der letzte große Künstler, den das Sowjetsystem ins Exil getrieben hat. Vier Jahre lang hat er in einsamer Unruhe im Westen gelebt und gearbeitet; als die Einladung zur Heimkehr kam, lag er schon im Sterben. Ein Jahr nach Andrej Tarkowskis Tod in Paris zeichnet die ARD in einer groß angelegten Dokumentation von Ebbo Demant die bitteren Exiljahre des russischen Regisseurs nach: »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« (22. Dezember, 23 Uhr). Aus Dokumentarmaterial, Filmszenen, Äußerungen von Mitarbeitern und Freunden (Erland Josephson, Claudio Abbado Marina Vlady) und Zitaten aus Tarkowskis letztem Tagebuch, das er selbst »Martyrolos« überschrieben hat, entsteht das Bild eines Künstlers, der seinen stolzen, strengen, geradezu mittelalterlich-messianischen Kunstanspruch verteidigt hat. Auch zwei neue Tarkowski-Bücher sind in diesem Herbst erschienen: Der jüngste Band der »Reihe Film« im Hanser-Verlag (208 Seiten, 29,80 Mark) ist dem russischen Regisseur gewidmet und berichtet von der Verehrung, die dem einst Verfemten inzwischen in der Heimat entgegengebracht wird. Der Verlag Schirmer/Mosel setzt seine anspruchsvolle Tarkowski-Edition fort. Der erste Band (192 Seiten, 39,80 Mark) stellte mit Drehbuch, Kommentaren und 126 Farbtafeln Tarkowskis letzten Film »Opfer« dar. Der zweite Band (124 Seiten, 22 Mark) enthält sein nie realisiertes Drehbuch über E. T. A. Hoffmanns Leben: »Hoffmanniana«.

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