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»The Germany kann me furchtbar leckn!!«

Aus dem Briefwechsel (1952 bis 1979) der Schriftsteller Arno Schmidt und Alfred Andersch Literatur-Eremit Arno Schmidt (1914 bis 1979) war einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit; Ernst Jünger nannte ihn wegen des Romans »KAFF, auch MARE CRISIUM« (1960) den »niedersächsischen Diderot«. Andere verglichen Schmidts Werke mit ihrer skurrilen Interpunktion, Orthographie und - so im Hauptwerk »Zettels Traum« (1970) - vorbestimmtem Umbruch, ihrer Verachtung von Religion, Militarismus und Menschendummheit mit der Sprachschöpferwelt des Iren James Joyce. Sein Freund und Bewunderer Alfred Andersch (1914 bis 1980), den er nur wenige Male traf, half ihm durch Rundfunkaufträge und Verlagsvermittlungen über Jahre materieller Not hinweg. Andersch, als Jungkommunist 1933 im KZ Dachau, desertierte 1944 und schrieb darüber in seinem Lebensrückblick »Die Kirschen der Freiheit« (1952). Er gehörte zur »Gruppe 47«, publizierte Reisebilder, Erzählungen und Romane ("Die Rote« 1960). Der Briefwechsel beider Dichter erschien soeben, herausgegeben von Bernd Rauschenbach, im Haffmans Verlag, Zürich (260 Seiten; 80 Mark). *
aus DER SPIEGEL 45/1985

Januar 1953

Verehrter Herr Andersch!

Vor 14 Tagen habe ich der Frankfurter Verlagsanstalt nun das MS eines meiner Bücher »Aus dem Leben eines Fauns« vorgelegt. Ich habe es Ihnen gewidmet: Sie sind als erster für mich eingetreten und haben mir auch mit den »Umsiedlern« wieder fortgeholfen: ich bitte Sie also aufrichtig, die Widmung anzunehmen. Sollten Sie das MS bei Ihrem Aufenthalt in Frankfurt durchsehen, dann werten Sie bitte vor allem die sprachliche Seite; ich glaube, in dieser Beziehung ist der »Faun« doch besser und konzentrierter als »Brand''s Haide« geworden. Vor allem sorgen Sie doch dafür, daß ich recht bald die Entscheidung des Verlags darüber bekomme; Sie wissen ja, daß sich mein bißchen Ruf bisher auf magere 350 Prosaseiten gründet und daß ich nun unbedingt bald wieder etwas vorzeigen muß; und der »Faun« ist gar nicht so schlecht.

Wie wär''s, wenn wir eine Dichterkolonie in Kanada gründen würden?? (Im Ernst!!) Deutschland würde dadurch alle unerwünschten »unruhigen Köpfe« los, und wir hätten Ruhe.

Hamburg-Ohlstedt, den 6. 2. 1953

Lieber Herr Schmidt,

ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, wenn wir mit der gegenseitigen Verehrung Schluß machen und uns wie vernünftige Menschen anreden.

Daß Sie die »Kirschen« mögen, bedeutet mir mehr als das Urteil der meisten anderen Leute. Und ich bin in der Verlagsfrage glatt egoistisch; ich möchte gerne mit Ihnen zusammen in einem Verlag erscheinen. Ich arbeite auch an dem Projekt einer neuen literarischen Vierteljahreszeitschrift, damit das »Geist«-Monopol solcher Senilismen wie des »Merkur« und der »Neuen Rundschau« endlich gebrochen wird. Ihre Mitarbeit daran wird sehr wichtig sein.

Vorläufig bin ich gegen Kanada. Auf jeden Fall werde ich Deutschland nicht kampflos räumen, und wenn, dann gehe ich nach Paris oder Rom.

Kastel, den 18. 10. 1954

Lieber Herr Andersch!

Daß Ihre neue Zeitschrift erscheinen wird, freut mich sehr: das wird also voraussichtlich die letzte Chance; anschließend brüllt dann die neue deutschere Generation wieder auf.

Ich will gern dabeisein: Anbei die MS von »Pocahontas« und »Kosmas«, die ich noch nicht anderweitig vergeben habe. Ich bin zwar gegen jedwede Veröffentlichung in Zeitschriften; gebundene Bücher, als Einzelwesen, sind später eben doch leichter auffindbar, leben länger; ich weiß das aus meinen jahrzehntelangen literaturgeschichtlichen Arbeiten. Aber ich will hier - buchstäblich »weil Sie es sind«! - die Ausnahme machen; jedoch unter 2 Bedingungen: 1. Sie müssen zuerst die »Pocahontas« bringen. 2. Jedes Stück muß ungekürzt als Ganzes (also nicht in Fortsetzungen!) erscheinen.

Sie wissen ja selbst, daß meine Geschichten so sorgfältig ausgewuchtet sind, das Ganze immer so auf eine Gewaltdosis berechnet ist, daß wir die beiden Polypen, den roten und den antik-gemusterten, einfach nicht zerschneiden können!

Bei dem Wort »Honorar« kann man natürlich nur schwelgerisch lächeln: wenn Sie mir noch dieses Jahr was Namhaftes schicken könnten, wäre es mir ungemein lieb; wir leben seit Januar wieder einmal von 120 Mark monatlich.

Hamburg, den 25. 2. 1955

Lieber Herr Schmidt,

einige christliche Buchhändler im Rheinland sind über die Pocahontas aus dem Häuschen geraten. Die Seite 11 vor allem hat es ihnen angetan. Sie scheuen sich auch gar nicht vor netten kleinen Boykott-Drohungen. Mein Verleger wollte, daß ich ihnen Arno Schmidt erkläre; das habe ich abgelehnt und ihm statt dessen den Entwurf eines klotzigen Drohbriefes geschickt. Dies nur zu Ihrer Information, damit Sie nicht denken, Ihre Geschichte bliebe ganz ohne Wirkung.

In ein paar Zeitungen haben auch ein paar Nazis entsprechend reagiert. Es gibt aber auch sehr gute und kluge Stimmen in den Gazetten und in Briefen an mich.

Kastel, den 1. 3. 1955

Lieber Herr Andersch!

Daß Christen und Nazis, also Thron & Altar, auf die »Seelandschaft« schimpfen, habe ich nicht anders erwartet: da müßte ich auch merkwürdiges Zeug geschrieben haben, um aus der Ecke Applaus zu erhalten!

Der angedrohte Boykott dagegen ist geschäftlich durchaus ernst zu nehmen. Wenn sich in den nächsten Monaten laut Bundestagsbeschluß programmäßig erst wieder »die Germanen erheben« (und »der Erdball erbeben« wird, wie der stolze Kriegsreim lautete), sehe ich mit höllischem Amüsement dem Schlimmsten entgegen. In Irland müßte sich''s recht smaragdgrün-neutral leben und lästern lassen; wenn die Bundesregierung nur einen Funken Menschenverstand hätte, würde sie uns einen Freifahrschein hinüber schenken - das wäre doch noch ein Gedanke! I will arise and go now ...

Hamburg, den 7. 5. 1955

Lieber Herr Schmidt,

ich übersiedle in der nächsten Woche nach Stuttgart, wo ich eine für mich recht interessante redaktionelle Arbeit am dortigen Sender übernehme. _(Vom Juni 1955 bis zum Dezember 1958 war ) _(Alfred Andersch freiberuflicher Leiter ) _(der Redaktion »Radio-Essay« am ) _(Süddeutschen Rundfunk Stuttgart. )

Auf meiner Reise habe ich Suhrkamp, Frankfurt, und Schifferli, Zürich, gefragt, ob sie an Ihnen als Autor interessiert wären. In beiden Fällen ein glattes Nein. Es ist furchtbar. Ich bin darüber vielleicht deprimierter als Sie. Aber wir müssen es schaffen - Sie müssen einen halbwegs anständigen Verleger finden.

Stuttgart, den 2. 6. 1955

Lieber Herr Schmidt,

bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen mitteilen, daß bei der Berliner Staatsanwaltschaft eine Anzeige gegen »Texte und Zeichen"/Arno Schmidt wegen Verletzung religiöser und sonstiger Empfindungen durch »Seelandschaft mit Pocahontas« eingegangen ist. Die Berliner Staatsanwaltschaft prüft gegenwärtig, ob eine Anklageerhebung möglich ist, und vernimmt zu diesem Zweck zunächst am 10. Juni den Verleger. Im Falle eines Prozesses werden Sie und ich die Verantwortlichen sein - ins Gefängnis muß wahrscheinlich ich gehen. _(Das Verfahren wurde 1956 eingestellt. ) _(Neben dem Gesamttext wurden vor allem ) _(zwei Stellen inkriminiert: »Gestalten ) _(mit wächsernem queren Jesusblick« und ) _(die Bibel als »unordentliches Buch mit ) _(50 000 Textvarianten«. )

Stuttgart, den 12. 7. 1955

Lieber Herr Schmidt,

Eschmann, der zu Ihren Bewunderern gehört, schrieb mir, daß sein Verlag, der Stahlberg-Verlag, ernstlich an Ihnen interessiert ist. Die Sache scheint mir so ernsthaft, daß ich, wenn ich nichts Gegenteiliges von Ihnen höre, Ihr Manuskript an die Stahlberg-Leute, die ich kenne, weitergeben werde.

Ob es nicht doch zum Prozeß kommt, ist schwer zu sagen. Ich bin vorige Woche in Stuttgart dazu vernommen worden und habe eine Erklärung ins Protokoll diktiert, die sich die Herrschaften hinter den Spiegel stecken können.

Kreuder habe ich vor kurzem in Hamburg kennengelernt, und ich war angenehm überrascht. Er ist doch ein sehr sympathischer Mann. Auf jeden Fall ist es wohl überall besser für Sie als dort hinten in der Saarpfalz. Ich kenne den dortigen Katholizismus aus meinem Leben in der Eifel; er ist ein Werk des Teufels und wird eines Tages am Untergang der Kirche schuld sein. Doch wollen wir nicht ganz vergessen, daß es auch Katholiken vom Schlage Kogons gibt.

Kastel, den 18. 7. 1955

Lieber Herr Andersch!

Das »Steinerne Herz« behalten Sie getrost noch bis Ende des Monats (aber bitte nicht aus der Hand geben!). An den Stahlberg-Verlag geben Sie es aber bitte nicht weiter, sondern an mich zurück. Es war zur Veröffentlichung noch vor Inkrafttreten irgendwelcher Wehrgesetze bestimmt, und ich hatte deshalb noch einmal lustig alle Schleusen meiner Abneigung geöffnet. Nach den beiden letzten Landtagswahlen jedoch sah ich, daß »mein deutsches Volk« wieder einmal nicht eher zufrieden ist, bis es die gewohnte Knute auf dem Hintern spürt - und zum ewigen Getreuen Eckart fehlt mir die finanzielle Grundlage, vor allem die Altmeister-Villa in der Schweiz. Das »Steinerne Herz« wird also nicht mehr erscheinen!! Ich werde es mit schiefem Lächeln in den Koffer zu diversen anderen Fehlgeburten legen und mich endgültig der Anfertigung von Skizzen, »Plaudereien«, Glossen, zuwenden: Wenn''s gar nischt mehr wird, wird''s immer noch ein Essay, hat Tucholsky einmal gesagt.

»Wie ich mich in meiner Wohnungsfrage entscheiden werde«, wollen Sie wissen? »Entscheiden« ist gut! Ich muß froh sein, wenn ich irgendwo etwas finde! Ich kann nicht hundert Mark Miete im Monat bezahlen, und für meine maximalen 50 lacht mich nur jeder aus.

Stuttgart, den 21. 7. 1955

Lieber Herr Schmidt,

anbei nun also schweren Herzens »Das steinerne Herz« zurück. Eine ganz kleine Anmerkung zu Ihrem Manuskript: An einer Stelle bezeichnen Sie - und zwar anscheinend ohne Ironie - Herrn Johannes R. Becher als einen großen _(In der Tat fehlt in der späteren ) _(Buchausgabe von »Das steinerne Herz« das ) _(Epitheton »groß«. )

Dichter. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Becher hat in seiner expressionistischen Phase ein paar interessante Gedichte geschrieben, ist aber heute ein beispiellos kitschiger Staats-Verseschmied und als Schriftsteller überhaupt nicht mehr ernst zu nehmen.

Kastel, den 22. 7. 1955

Lieber Herr Andersch!

Daß Sie den Cooper zurückgeben würden, habe ich erwartet. Meinen Sie nicht, man müßte einen Schriftsteller erst einmal vorstellen, und dann literarische Feinheiten über sein Werk vorbringen? Aber daß Sie''s gleich als »reif für den Jugendfunk« erklären, ist doch hart! Umarbeiten kann ich das Produkt für absehbare Zeit leider nicht: ich habe eben einen längeren, gesegnet platten Übersetzungsauftrag _(Sloan Wilsons »Der Mann im grauen Anzug« ) _(erschien auf Arno Schmidts Wunsch ohne ) _(Nennung des Übersetzers, da Schmidt vom ) _(Verlag vorgenommene Textänderungen ) _(mißbilligte. )

erhalten und stinke so still vor mich hin.

Etwas Schreckliches ist passiert: der Südwestfunk hat den »Kosmas« gelobt und eine so feinsinnige Besprechung geliefert, daß ich fast als Kryptokatholik und Gottsucher dastehe - ich bin fromm und weiß es nicht. Da wird wohl als nächstes die Sanktifikationsurkunde aus St. Peter eintreffen: »Heiliger« ist

ein schöner Titel, und wird meinen Kredit hierzulande entscheidend erhöhen.

Kastel, den 14. 8. 1955

Lieber Herr Andersch!

Mit dem Stahlberg-Verlag kommt eine zögernde Korrespondenz in Gang; vielleicht sogar bald eine Aussprache.

Eben die Nachricht: Thomas Mann +! Na ja: We all must die; first statute in Magna Charta. Aber Adenauer lebt, was?!

Kastel, den 15. 8. 1955

Lieber Herr Andersch!

Machen wir''s doch vorsichtshalber so: Ich setze Ihnen das Dutzend Themen her, das ich zur Zeit erledigen könnte; und Sie sagen mir bitte, was Sie wegen der Abseitigkeit des Stoffes (oder so) auf keinen Fall nehmen könnten:

(Schmidt zählt elf Themen auf.)

... Und, entsetzen Sie sich nicht schon beim bloßen Namen: Karl May: der vorletzte Großmystiker. (Ich habe nämlich - und, bitte, sogleich den Finger auf den Mund! - die tolle Entdeckung gemacht, daß seine letzten Bücher reine Schlüsselromane sind, in denen zum Beispiel Friedrich Nietzsche persönlich vorkommt. Andere Riesenallegorien im Stile von Bunyans »Pilgrim''s Progress« und Dantes - ganze Seiten sind da in Jamben geschrieben!!)

In Sachen »Pocahontas« bin nunmehr ich an der Reihe: Gestern erhielt ich die Vorladung für den 22. 8. zum Amtsgericht Saarburg. Vernehmung wegen einer gegen mich ergangenen Anzeige, betr. 184, I. Ich bin in der Affäre recht mißtrauisch: Die Buben werden bestimmt ihr Bestes tun, uns zu beunruhigen und zu schädigen! Natürlich blamieren sie sich in the long run genau so, wie seinerzeit die Franzosen im Prozeß gegen Baudelaire - aber was nützt es dem armen Luder, wenn erst nach hundert Jahren das Urteil dann ehrenhalber annulliert wird?

Ein veritabler, regulärer Studienrat aus Hessen hat die »Poca« mit seinen Oberprimanern in der Schule gelesen!! Verdiente der Mann nicht die Tapferkeitsmedaille?! - Neulich klopft es. »Herein!« »Mein Name ist Stefan Andres ...": Er wollte nachsehen, ob ich »der Schmidt« sei (sein Gastgeber, ein reicher Weingutsbesitzer Kastels, hatte beiläufig erwähnt, daß hier auch einer rumlaufe, der sich Schriftsteller schimpfe). Er erzählte viel von Katholizismus und westlicher Geistesfreiheit, zumal bei Adenauern, worauf ich ihm die Vorladung zeigte: Er ließ betroffen das Maul hängen; und fuhr gleich darauf weiter; in Richtung Griechenland: bon voyage!

Darmstadt, den 22. 1. 1956

Lieber Herr Andersch!

Haben Sie schon die neueste Kulturschweinerei gehört? Daß man jetzt Bense und dem »Augenblick« an den Leib will? Die Deutschen sind doch immer derselbe unveränderbare Misthaufen, ganz gleich, welche Regierungsform (schließlich ist es ja auch wirklich egal, ob ein Kuhfladen rund oder ins Quadrat getreten ist: Scheiße bleibt''s immer!).

Darmstadt, den 8. 11. 1956

Lieber Herr Andersch!

Zu Ihrer eigentlichen Anfrage, das Nachtprogramm anlangend: ich habe mir für die nächsten Monate 4 Stück anzufertigen vorgesetzt ...

»Dya-Na-Sore« - im Jahre 1787 erschien der 5bändige Riesenroman zuerst; in jener Zeit der Geheimbündelei und Erziehungstheorien begeistert begrüßt (sein Einfluß auf Goethes »Meister« ist bemerkenswert!). Es ist eines der fürchterlichsten Bücher unserer Sprache - vielleicht gebe ich ihm den Untertitel »oder der SS-Staat« - und es ist ein wahres Wunder zu nennen (nur erklärlich durch die braune Unwissenheit), daß er nach 1933 nicht noch einmal aufgelegt wurde. Der einzig mögliche literarische Vergleich ist der mit Platons »Politeia": nur dort schlagen abstrakte politische Grausamkeit und kalter Wahnwitz die gleichen rollen(den) Irrsinnsaugen auf! ...

Darmstadt, den 15. 12. 1956

Lieber Herr Andersch!

Im Mannheimer »Morgen« soll eine ungeheuerliche Verreißung des »Steinernen Herzens« stattgefunden haben: der Verleger müßte wohl ein halbirrer Psychopath sein, der Autor wäre der »umgestülpte Mastdarm des Teufels« oder so ähnlich; am Ende erhebt er beide Hände zum Himmel und fragt, wie es möglich sei, daß Andersch solche Schmutzfinkerei einen »geheimen Mittelpunkt« nennen könne.

Herr Andersch, ich bin inzwischen dem damals noch ganz unreifen Irland-Projekt _(Irland-Projekt: Der Auswanderungsplan ) _(Schmidts war wohl mehr als nur ein ) _(Gedankenspiel. Er hatte sich bereits an ) _(die Irische Gesandtschaft in Köln um die ) _(nötigen Formulare und Unterlagen ) _(gewandt. Der Plan wurde im Januar 1957 ) _(aus finanziellen Gründen aufgegeben. )

nachgegangen! Ich meine: Können wir mehr verlangen, als ein Land, nicht der Nato angehörig (also eines der wirklich »freien Völker«; d. h. die keinem der beiden Machtblöcke angehören!), praktisch menschenleer (die Bevölkerung nimmt jährlich um 40 000 ab!), Nebel, Moore, Wiesen, Wind, Heide, nischt wie Ossian und Joyce, unser Geld verdoppelt sich sofort: wenn der Briefträger mit Prozeßvorladung oder Einberufungsbefehl an die Tür klopfen will, kichern wir nur: The Germany kann me furchtbar leckn!!

Stuttgart, den 20. 12. 1956

Lieber Herr Schmidt,

der Verriß im »Mannheimer Morgen« ist das Blödeste, was es gibt. Der Kerl, ein gewisser Dr. Horst Biernath, der, wie ich im Kürschner ermittelt habe, im Dritten Reich Unterhaltungsschnulzen geschrieben hat, bringt nichts anderes fertig, als Zitate aus dem »Steinernen Herz« zu bringen und zwischen jedem Zitat die Hände zu ringen. Kein Argument, keine noch so geringe Begründung seiner Ablehnung, sondern nur infantile Exklamationen der Entrüstung. Ich betrachte diesen Wisch als ein letztes Aufzucken des Anti-Arno-Schmidt-Ressentiments in der deutschen »Kritik« (das es natürlich immer geben wird). In Kürze wird es auch der schlechtestredigierten Zeitung nicht mehr möglich sein, solche Arschlöcher gegen Sie loszulassen.

Darmstadt, den 23. 12. 1956

Lieber Herr Andersch!

Ich bitte um Ihre (ganz kurze) Beratung in folgendem: Nachdem ich zehn Jahre lang ein »Nachahmer Joyce''« gescholten worden bin, habe ich nun endlich einmal mich an diesen gemacht - ein großer Mann, zugegeben: aber es besteht natürlich nicht die geringste Ähnlichkeit! Nun, das sagten Sie ja selbst. - Nun habe ich mir aber die Mühe gemacht, einmal 50 Seiten der Übersetzung (des »Ulysses") zu vergleichen, und dabei wahrhaft haarsträubende Fehler feststellen müssen! Völlig sinnentstellende, himmelschreiende Böcke, die man einem wohlgeratenen Primaner nicht verzeihen könnte. Ich weiß nicht, ob Sie jemals meinen Artikel im »Augenblick« gelesen haben, wo ich den Poe-Übersetzer des Hauses Reclam

anprangerte. In derselben Art nun will ich Goyert nicht nur abstechen, sondern auf gut irokesisch zerstümmeln!

Stuttgart, den 29. 12. 1956

Lieber Herr Schmidt,

»Dya-Na-Sore« ist wieder ein Volltreffer. Ich versichere Ihnen, daß niemand einen solchen Funkdialog zu schreiben in der Lage ist. (Sie unterschätzen Ihre Funkmanuskripte, nur weil Sie sie aus dem Ärmel schütteln.) Natürlich werde ich Walser hinstellen müssen, um die Sache richtig inszeniert zu bekommen - ein derart komprimierter Dialog bedarf feinster Transparenz in der Wiedergabe. Ob ich die ersten zwei Seiten mit ihrem herben Schuß gegen die Schwulität hier durchbekomme, weiß ich noch nicht (ich selbst habe sie mit innigem Behagen gelesen), aber für diese Passage müssen Sie mir Änderungsmöglichkeiten konzedieren, denn über die direkte Nennung sexueller Tatbestände sind im Funk nun mal Tabus verhängt.

Darmstadt, den 9. 7. 1957

Lieber Herr Andersch!

Der PEN-Club tat mir die Ehre an, mich einstimmig als Mitglied zu wählen; was ich, für alle Ehre unempfindlich, mit höflich-dürren Worten prompt ablehnte. Was mir um so leichter wurde, da mir sogar Krawehl - der doch als mein Verleger hinter Publicity aller Art her ist; hat er mich doch sogar einmal gezwungen, ein Schwein von SPIEGEL-Reporter zu empfangen! - von einem Beitritt abriet.

Darmstadt, den 9. 10. 1957

Lieber Herr Andersch!

Überall wird »Sansibar« vorabgedruckt und besprochen: nur ich habe noch kein Exemplar, ist das recht?!

Ich bin, wie Sie ja wissen, nicht sehr fürs Bitten; mehr fürs Fluchen.

Lilienthal: In der Nähe ist eine beneidenswerte Wohnung frei! Nur Kirche und zwei Häuser (Pfarre und Küsterhaus). Ich könnte sie evtl. kriegen; unter der Bedingung, daß ich »Küsterdienste versähe«. Eine ideale Lage: auf fünf km ringsum kein anderes Haus; im Norden der Sandrücken von Worpswede; im Süden das »Kirchfleet": Einsamkeit, Sumpfmoorheideflachland! 80 Mark Miete im Monat; allerdings »Der Tod als Freund« (Rethel; Sie wissen: wie er am Strang zieht: »Küsterdienste«!: Schmidt als Küster an St. Jürgen!)

Es ist keine Kleinigkeit, in Norddeutschland zu wohnen: dazu gehören Männer!! (That''s me!).

Darmstadt, den 14. 10. 1957

Lieber Herr Andersch!

Ich bespreche nun zwar in der Regel niemals Neuerscheinungen; da muß schon ein ganz dringender Grund vorliegen. Mit Ihrem Buch aber habe ich eine jener Ausnahmen gemacht; einmal, weil es ein gutes Buch ist - ich will es Ihnen nur gestehen: ich hatte nach der »Piazza« ein wenig Angst davor (weil der dort beschriebene »Spaziergang nach Neapel« - so gut er gemacht ist - nicht mehr zu den wichtigen Urfänomenen gehört; sondern mehr oder weniger ästhetisches Spiel vorstellt) -, und zum andern: weil mich die, in Verbindung mit Ihnen und Ihrem Buch, geradezu grotesken Fehlurteile des Herrn Muschg gereizt haben! Sehen Sie: das ist eines jener eklatanten Beispiele (und Belege) für meine, von Ihnen abgelehnte, These: daß diese Schweizer, im Vergleich zu uns, harmlose, unerfahrene, also letzten Endes urteilsunfähige Kinder sind! Wenn ich Silbenfälle lese wie »In Schönheit aufgelöste Trauer« - dann möchte ich immer laut »Scheiße!« schreien, oder sonst irgendeine grobe Unflätigkeit begehen; nur um solch impotentem Buchstabenfiligran ein Stück Realität entgegenzusetzen! - (Ende dieser Woche pariere ich mit meiner »Gelehrtenrepublik").

Darmstadt, den 15. 11. 1957

Lieber Herr Andersch!

Sie treten für Muschg ein: Das kann ich vom Persönlichen aus begreifen; vom Sachlichen her empört sich alles in mir.

Es gibt nun einmal ganze Völker, die für gewisse Dinge unzuständig sind: die Schweizer wissen seit 100 Jahren nicht mehr, was »Krieg« ist - das ist ihr Glück; aber dieses Glück ist menschlich und literarisch ihr »Pech«! Die Leute wissen nichts von dem, was wir - z. B. Sie und ich - in diesen sechs Jahren durchgemacht haben (und auch vorher und nachher: zweimal Inflation; und Flucht; und Hunger; ach und so weiter); solche Menschen können nicht »mitreden«! (Und wenn sie''s doch tun, dann sind ihre »feinsinnigen« Bemerkungen - die einem in den Fingern zerbröckeln, wenn man sie anpackt! - ad absurdum zu führen; und die betreffenden Herren selbst hinter den Grenzpfahl zu treiben! Ich habe nichts, gar nichts, gegen M., wenn er auf seinem Gebiet bleibt; aber die Schweizer sollen doch nie verkennen, daß sie nur eine erbärmlich kleine Provinz im deutschen Sprachraum sind: Sie können nicht einen Namen nennen, dem wir nicht sogleich aus dem Stegreif zwanzig gleichwertige sowie zehn bessere gegenüberstellen könnten! In jeder Kunst. Und sie sollen nie vergessen, daß sie an menschlichen Erlebnissen - eben an »Kenntnis der Urfänomene« - so weit dahinten sind, daß sie sich lieber fein demütig und aufmerksam aufs Bänkchen hocken, und von uns: uns (uns, d. h. Ihnen und mir!!!) lernen sollten!

»Sankt Jürgen« hat sich inzwischen erledigt: Die Gemeindeversammlung hat sich doch lieber für einen normalen Küster entschieden. Schade: es war so still dort; und genau die Landschaft, die ich für »Lilienthal« brauche - L. liegt ja nur zehn km entfernt! - wenn ich nicht bald nach Norddeutschland gelange, entsteht das Buch nie. »Es ist nicht schad'' ...«; ich habe mein Teil Unfug in der Literatur gestiftet.

Stuttgart, 28. 2. 1958

Lieber Herr Schmidt,

mit dem »Sanften Unmenschen« _(Schmidt hatte Andersch am 27. 1. 1958 ) _(ein Manuskript über Stifter geschickt. )

haben Sie uns nun wirklich in ein außerordentliches Dilemma gestürzt. Die Verve Ihres Angriffs ist, wie immer, hinreißend. Aber Heißenbüttel _(Helmut Heißenbüttel war 1958 ) _(Redaktionsassistent beim Süddeutschen ) _(Rundfunk. )

und ich befinden sich in der Situation von Leuten, die, von Ihnen mitgerissen, kurz vor dem Ziel stolpern und liegenbleiben und ein wenig beklommen zusehen, wie Sie den armen Stifter zurichten. Haben Sie etwas übrig für Psychologie? Dann müssen Sie verstehen, daß unsere Sympathien hier auf der Seite Stifters liegen. Außerdem erinnern wir uns eines Schmidt, der schon einmal vehement für Stifter Stellung genommen hat. Kurz und gut, ein Gewirr von Bedenken durchkreuzt unsere Köpfe, und wir können uns nicht entschließen, diese Breitseite über den Radio-Essay abzuschießen.

Darmstadt, den 1. 3. 1958

Lieber Herr Andersch!

Selbstverständlich habe ich auch schon einmal für Stifter Stellung genommen (und würde auch heute noch jederzeit

einige der Studien, der Erzählungen, und meinethalben auch den Witiko rühmen!): aber sollte Sie eben das nicht nachdenklich machen? Ich betone ausdrücklich in meiner Sendung: daß ich nur den »Nachsommer« anfasse; und nenne ihn ganz am Ende, an der Stelle, die schließlich »sitzen bleibt«, einen Tiefpunkt zwischen Studien und Witiko: Ich spreche doch nicht gegen Stifter, sondern gegen den Nachsommer!!

Sie hätten recht (möglicherweise recht; obwohl meine Arbeit auch dann immer noch unter »1 Buch und 1 Meinung« rangieren könnte), wenn ich allein mit meiner Ansicht stünde! Aber: hätten Sie auch Hebbel abgelehnt, wenn der Ihnen seine Ansicht über den Nachsommer eingereicht hätte?! Würden Sie Hermann Hesse ablehnen, der über Stifters große Romane, in unübertrefflichem Spott, urteilte: dort würde beschrieben, wie sich drei Personen auf drei Stühle setzen?!

Machen wir''s so: wenn Sie sich, wie Sie schon schrieben, nicht zur Annahme entschließen können, geben Sie mir das Stück wieder her: deswegen keene Feindschaft nich!

Darmstadt, den 10. 4. 1958

Lieber Herr Andersch!

Ich sah Ihre Unterschrift unterm Atomprotest der »Kultur": mich fragt man bei sowas anscheinend nie. (Was man natürlich auch wiederum ehrenvoll auslegen kann: ich bin ohnehin notorisch derart »dagegen«, daß sich ein besonderer Hinweis erübrigt; denn wenn alle deutschen Literasten seit zehn Jahren so gepredigt und geflucht hätten, wie ich - dann ständen wir heute anders, und besser, da!) Wissen Sie, was meiner Ansicht nach bei der ganzen Aktion herauskommt? daß die Bundesregierung feierlich auf die Herstellung und Bewaffnung mit Atomwaffen verzichtet! Und uns damit wiederum hinters Licht führt!!! Denn sie läßt sich halt welche schenken (wobei auch noch die sinnigsten Wortspiele möglich sind: die Bundeswehr kriegt keine; aber vielleicht der Bundesgrenzschutz??); und für uns ist es ja wohl gleich fatal, ob auf den westdeutschen Abschußbasen nun deutsche Bundeswehrsoldaten stehen, oder Amerikaner!

Stuttgart, den 5. 6. 1958

Lieber Arno Schmidt,

ich habe eben den »Herder« gelesen. Ginge es auf dieser Erde mit rechten Dingen zu, so müßten Sie das donnernde Haupt einer deutschen Akademie sein. Aber es geht immer mit unrechten Dingen zu, und so bleibt uns nur die Freiheit unserer Zellen, deren freieste Sie bewohnen. Sie sind unser größter Autor - so groß, daß ich es ohne jeglichen Neid sagen kann.

Darmstadt, den 9. 6. 1958

Lieber Alfred Andersch!

Deinen letzten Brief habe ich nicht verdient! Selbstverständlich weiß ich, daß ich als Wortweltenerbauer ein gewisses Maß habe - es wäre läppisch, mich da preziös zu winden! - aber doch nur so, wie ein 6 Fuß großer Mann weiß, daß er die meisten um sich überragt. Und manchmal habe ich eine Mordswut und das Gefühl, als wäre ich 5 Meter hoch. (Freilich auch, sehr einzelne, Stunden, wo ich mich nicht mehr erinnern kann, ob Ruß schwarz ist - aber das liegt wohl daran, daß ich im Fünfundvierzigsten bin; und wenn Allah (oder wie Du das Dings nennst) mir auch die Knochen eines Ochsen verliehen hat und ich schreiben muß, als ob ich hinter einem Preßlufthammer stünde: es gibt schon Stunden, wo ich zwei vierzigstellige Zahlen nicht mehr miteinander multiplizieren kann!). Mag man getrost noch so vornehm auf meine derben und anmutlosen Nöte herabsehen - aber das müßte wahrlich ein schlechter Kerl sein, der nach der Lektüre von 60 Herder-Bänden nichts für seine Sprache geraubt hätte!

Berzona, 4. 7. 1958

Lieber Arno Schmidt!

Von der Nicht-Wiederwahl »meines« Intendanten wirst Du gehört haben. Was nun aus dem Radio-Essay in the long run werden wird, weiß ich nicht. Diesen schneidigen jungen CDU-Abgeordneten, der nun - angeblich im tapferen Alleingang, in Wirklichkeit todsicher durch eine fette Intrige - Intendant _(Zweiter Intendant in der Geschichte des ) _(SDR ist seit dem 1. 9. 1958 Professor ) _(Hans Bausch. Sein Vorgänger war der zur ) _(Zeit des Nationalsozialismus illegal ) _(tätig gewesene Fritz Eberhard. )

geworden ist, kenne ich nicht. Ich bin gespannt auf meine erste Begegnung mit ihm. Ich habe einen großen Trumpf in der Hand: meinen bis 1960 laufenden Vertrag - er muß mich also hochoffiziell entlassen, wenn er den Radio-Essay nicht in der von mir gewünschten Form weiterführen will. Mich amüsieren solche Situationen wie ein Gesellschaftsspiel. Natürlich sind immer wir es, die es verlieren, aber man kann manchmal ihre Pyrrhus-Siege zurichten. Schade, daß man nicht mit der Gegenseite taktieren kann; nach der Hinrichtung von Imre Nagy _(Von 1953 bis 1955 ungarischer ) _(Ministerpräsident, am 16. 6. 1958 war er ) _(als einer der Führer des Aufstands von ) _(1956 hingerichtet worden. )

ist es damit nun ein für allemal aus.

Darmstadt, den 16. 7. 1958

Lieber Alfred Andersch!

Tja, der Stuttgarter Sender! - Ich habe auch sogleich ein schief Maul gezogen; denn wenn Du schon mit Entlassung rechnest, dann dürfte mein letztes Stündlein - im wahrsten Nachtprogrammsinne - ebenfalls geschlagen haben. Was meint Heißenbüttel denn dazu? Der wird ja ooch Knopplöcher machen zum Einmarsch der Gottsucher.

Am Grunde des Luftozeans, den 20. 9. 1958

Lieber Alfred!

Hast Du die Wutschreie aus Bonn und Washington verfolgt, als General de Gaulle »die Macht übernahm«? Das ist für mich einer der Beweise, daß es gut so war! Denn wen die mit ihrem Haß verfolgen: an dem muß schon etwas sein, was ihre Plänchen stört! Ich habe - was ich sonst nie tue; es ist mir zu widerlich - die Kommentatoren des Kölner Senders die ganze Skala durchgehen sehen; vom schieren Gift-und-Galle-Speien an bis zur kunstvoll verantwortungsbewußt-bekümmerten Frage: Ob sich die Nato etwa nun auflösen würde? Meine Antwort: die Nato zwar nicht; aber ihre Ziele! Denn de Gaulle wird den Teufel tun und die Herren »Ostlandreiter« fördern! Der biegt die Spitze der Nato nach Süden um! Der ist nicht mehr so verworren-instinktlos wie seine französischen Minister-Vorgänger, die Frankreich von Deutschland ins Schlepptau nehmen ließen: umgekehrt wird ''n Schuh draus! Der zieht französische Truppen nach Herzenslust ab aus Deutschland und wirft sie nach Süden. Und schon kommen sie alle nach Canossa-Colombey, alle die groß-greisen Buben!

Und der eigentliche Grund liegt noch tiefer: das Ausscheren Frankreichs ließe sich allenfalls noch verschmerzen - aber England? England verfolgt mit begierigen Blicken das Großexperiment: Ob sich die Kolonien nicht doch noch einmal mit Gewalt »heim ins Empire« holen lassen?! Wenn es Frankreich gelänge - und es gelingt ihm: so »stark« ist es immer noch, daß es die armen Araber da unten überrollt! - tja, wenn das gelänge: da könnte Mütterchen England es doch auch noch einmal versuchen?! (Wie sehr sie Lust dazu haben, siehst Du ja an jedem »Ägypten«, an jedem »Libanon« - die können

sich noch gar nicht an den Gedanken gewöhnen, daß es nicht mehr »Rule Britannia« und »Yankee Doodle« heißt; sondern »Rule Yankee« und »Doodle Britannia«!).

Mit anderen Worten: ich bin der Ansicht, daß Großbritannien das französische Experiment nach Kräften fördern, zumindest jedoch auf keinen Fall dulden wird, daß es durch etwelche Engagements in östlicher Richtung gestört werden könnte. D. h. also: nicht nur Frankreich hört endlich auf, sich von den Einkreisern in Washington das Gesicht ins Genick drehen zu lassen, und nimmt wieder eine angemessene, natürliche Kopfhaltung an; sondern auch England verliert die allerletzte Lust (die nie sonderlich groß war), den Amerikanern Vorspann zu leisten: die Nato steht vor ihrer unauffälligen Umwandlung in eine Ato. Und die Bundesrepublik wird, ich hoffe auf diverse Jährchen hinaus, zähneknirschend auf der Stelle treten müssen!

Solche Betrachtungen sind nichts weniger als »unmenschlich«; denn ich behalte dabei ja vorzüglich die schönste »Blüte« der Menschheit im Auge, die Literatur, die Kunst. Es gibt nun einmal Lagen, wo es wichtiger ist, daß Homer überlebt als die Freie und Hansestadt Troja. Reiche vergehen, das wußten schon die Präselenen; aber was bleibt, stiften die Dichter: das wissen wir! Wenn Gott einmal - was nicht ausbleiben kann - auf Grund seiner feinen Schöpfung, deren lebende Wesen dadurch existieren, daß eins das andre auffrißt, vor Gericht gefordert sein wird und etwas zu seiner Rechtfertigung vorbringen soll - tja; dann wird er wohl nicht umhin können, Haeckels Radiolarientafeln vorzuzeigen, Mondfarben in der Septemberdämmerung, ein paar Langspielplatten voll Musik oder eben das OEuvre von Leuten, die mühsam »das Schöne« herausdestillierten.

D., den 24. 11. 1958

Lieber Alfred!

Ich mache wieder einmal mein Rechtsum nach Norden. Dort in der Haide will ich versuchen, die letzten Kräfte zusammenzunehmen und noch einmal etwas »Anständiges« zu fabrizieren. Sobald ich erst einigermaßen wieder fest sitze, melde ich mich ausführlich.

Berzona, 27. 11. 1958

Lieber Arno,

statt Salz und Brot schicke ich Dir die Kopie meines heutigen Schreibens an die FAZ als Morgengabe ins neue Haus. Ich fürchte, es wird eines Tages zu einer gemeinsamen Aktion gegen Sieburg kommen müssen. Er ist die größte und stinkendste Kanalratte in dem, was sich heute »deutsche Literatur« nennt.

Bargfeld, den 29. 12. 1958

Lieber Alfred!

Endlich kann ich wieder einen Gedanken fassen. Die Handwerker sind aus dem Haus; zum Rasieren läuft warmes Wasser; die Regale sind aufgestellt, auch am Schreibtisch hocke ich im Bücherhag und kann an die Verfertigung neuer Schnurren gehen. - Dies allem anderen voraus: die Landschaft ist grandios und gibt alles her, was ich für die nächsten Jahre brauchen werde; »Lilienthal« zumal. Ein anderer könnte vermutlich kopfschüttelnd vor dem einfältigen Gemisch von Wiesen Weiden Mooren Heiden Teichen Wäldern stehen und sich verwundern, was ich daran finde: Ich komme mir vor wie Antäus!!!

Für Deine Richtigstellung des elenden Sieburgschen Gezischels in der FAZ meinen aufrichtigsten Dank! Das ist ein großer Lump; an dem aber das Merkwürdigste doch wohl immer die eiserne Stirn bleibt. Dennoch meine ich, daß Du seine Rolle in unserer Literatur als allzu verhängnisvoll überschätzest: Bei uns ist nichts mehr zu verderben! Zumal da die Herren von rechts nicht ein einziges nennenswertes Talent vorzuzeigen haben, das sie uns auch nur annähernd entgegensetzen könnten - die Flaute in der »Nationalen Literatur« ist so bemitleidenswert, daß es schon ein Spektakel ist! Alle diese Arschlöcher, inklusive Karl Korn, sehen immer noch nicht ein, daß es Abend wird in Alt-Europa; und daß WIR zumindest die letzten merkwürdigen Luft- und Lichterscheinungen sind, dicht vorm Untergang.

Berzona, 20. 6. 1959

Lieber Arno,

ich weiß nicht, wie Du über den SPIEGEL denkst - für mich hat er sich in der Schmidt-Story _(Titelgeschichte über Arno Schmidt im ) _(SPIEGEL (20/1959). )

denkwürdig entlarvt. Dergleichen kesses Gesindel ist eigentlich das Schlimmste, was es gibt; da ist mir jeder alte ehrliche Reaktionär lieber als die. Wie sie den Mob gegen Dich mobilisiert haben! Vielleicht siehst Du das ja ganz anders. Ich seh'' es so. Aber allen Deinen Freunden bist Du dadurch noch lieber geworden.

Bargfeld, den 24. 6. 1959

Lieber Alfred!

Von den Spiegelaffen habe ich, nach altbewährter Taktik, keine Notiz genommen. (Vollständig ablehnen konnte ich den Reporter nicht; denn Krawehl hielt mir stumm und anklagend vorher die Verkaufsziffern entgegen: vom gängigsten Titel 1300! Aber sei unbesorgt: I gave him a piece of my mind!).

den 13. 1. 1960

Lieber Alfred!

Ergebnisse des Jahres 1959 bei mir: 25 »Süße Nichtigkeiten« (also »Kurzgeschichten«, »Kritiken, Glossen, Essays«, und dgl.); sieben »Nachtprogramme": zwei Bände übersetzt, (darunter den Joyce, der Dir sicher Spaß machen wird; Suhrkamp druckt schon); für die 2. Auflage den »Fouque« - 150 Seiten mehr! - sowie »Rosen & Porree« Korrektur gelesen; und endlich noch ein umfangreiches eigenes neues Buch _("KAFF, auch MARE CRISIUM«. )

geschrieben.

Mir bekommt meine absolute ländliche Einsamkeit glänzend; und sobald ich erst werde etwas »sachter treten« können, wird''s noch besser werden. (Auch meine Frau beginnt sich hier zu gefallen; schwimmt und fährt Ski, wie einst im Mai.) / Wie habt Ihr Euch im Ganzen eingelebt? - (Wenn Du so die herrlichen Nachrichten hörst, aus Bonnonien - nischt wie Hakenkreuze und »Juden raus!« - muß Dir doch eigentlich recht wohl zumute werden.) -

Berzona, den 10. 8. 1960

Lieber Arno,

riesige Spannung auf »Kaff«! - Zu Deinem Kreuder-Verriß, den Du mir in Bargfeld gabst, ist noch etwas zu sagen: ich finde es abgründig dumm, daß Kreuder in seiner (von ihm abgelehnten) Galerie historischer Größen Roosevelt neben Hitler stellt. Das ist eine Infamie. Man mag zu Roosevelt stehen wie man will (für mich ist er eine Figur von einsamer Größe), - daß wir heute nicht immer noch den österreichischen Dreckskerl haben, ist ausschließlich sein Verdienst. Ohne seinen Schatten gäb''s hierzulande überhaupt nur noch den Vatikan und die Generäle. Roosevelt und Hitler in eine Formel zu bringen, heißt den Nazis direkt in die Hände arbeiten. Aber das gehört ins Kapitel der politischen Ahnungslosigkeit der deutschen Schriftsteller. Die meinen, wenn sie irgendein Sweeping statement von sich geben, dann wären sie wunder was für Kerle.

Ich befasse mich neuerdings mit Filmkritik, ein Feld, das Dich wohl kaum interessieren wird, so daß ich Dir meine Hervorbringungen in diesem Genre erspare. Mein neues Opusculum »Die Rote« wirst Du erhalten haben; nimm es gnädig auf - ich bin mir seiner Schwächen wohl bewußt.

Bargfeld, den 16. 8. 1960

Lieber Alfred!

Auf »Kaff« sei nicht allzusehr gespannt: man drehe »Steinherz und Gelehrtenrepublik« durch ein und denselben Wolf; tue etwas Barg(f)eld und Mondschein dazu; werfe den Umschlag von Imre Reiner weg; und stelle das Ganze dann ins Regal, hinter den »Nachsommer«. - Du wirst jedenfalls enttäuscht sein; und nur, wenn Du bedenkst, daß ich 10 Prozent meiner Zeit »eigenen Produkten« widmen kann, nicht mehr, ist es allenfalls noch als »passabel« zu bezeichnen. Als nächstes übersetze ich wieder mal einen Schinken für den Nannen-Verlag (ZEIT plus STERN durch 2; ich weiß).

Filmkritik? - Das ist ein Gebiet, auf dem ich überhaupt nichts zu sagen weiß. (Das letzte Mal war ich - warte, ich glaube, es war 1956 - »im Kino«; und auch damals nur, weil es hieß, das Drehbuch hätte Werfel geschrieben; wie hieß das Dings gleich? - »Damm-Da-Damm-Da und der Oberst« (den ersten Namen weiß ich nicht mehr; aber er war 4silbig und hatte den Akzent auf der paenultima).

Bargfeld, 5. 10. 1960

Lieber Alfred!

Inzwischen ist Deine »Rote« eingetroffen: schönen Dank dafür; ein gutes Stück! »Filigran«; aber aus Stahldraht; und vor allem Deutschland, wie sich''s gebührt, als Nicht-Nabel Europas behandelt. Mir, wie stets bei Dir, besonders erfreulich: daß man so reinlich die Trägerkonstruktion erkennen kann; dann feurige Mennige als Rostschutz, und endlich fein säuberlich hellgrau gestrichen: nicht das ist ja entscheidend, daß Einem Gutes gelingt, sondern daß man es macht!

Von hier wenig Neues. Abends sieht ein bleiches molkichtes Gesicht unbeweglich aus bunten Bäumen. Kühe mit Ketten um die Gesichter. (Viel Gesichter hier.) Ansonsten übersetzen wir rüstig; zu eigentlichen ver-schmidt-sten Stücken ist weder Zeit noch Energie.

Berzona

Lieber Arno,

ZETTELS TRAUM heute, den 20. 6. 1970, hier eingetroffen. Mancherlei Irrfahrten, ''s trifft offensichtlich niemanden irgendwelche Schuld. Und Hauptsache: das Werklein ist da!

Berzona, den 3. 7. 1974

Lieber Arno,

gestern Nachmittag war Ernst Jünger hier. Schilderte ihm Deine Zettelkästen und hatte den Eindruck, daß ihn leichter Neid ergriff. Auch sonst müssen Dir die Ohren geklungen haben. Ein merkwürdiger Mann. Deutet auf in zwanzig Meter Entfernung vorbeifliegende Insekten und rasselt die lateinischen Namen runter. Der Mann hat jetzt, im Alter, etwas Picasso-haftes.

Bargfeld, den 24. 1. 1978

Lieber Alfred,

ich wage gar nicht, meinen Geburtstagswunsch anzubringen, wenn ich an die Nachricht von der »Künstlichen Niere« _(Gisela Andersch hatte Schmidt ) _(geschrieben, daß Alfred Andersch seit ) _(Herbst 1977 auf eine künstliche Niere ) _(angewiesen sei. )

denke! (Und gerade Dich, den Großen Reisenden, muß das treffen. Ich vegetiere zwar auch nur noch mit Herz-Anfällen & 30 Tabletten am Tage; aber mir, als geborener Schnecke, macht''s nichts aus, daß ich an das Dorf hier gebunden bin.)

Von mir weiter nichts Neues also. Im März wird der dritte Band der Cooper-Trilogie erscheinen: die 2000 Seiten, sprich 20 Monate Arbeit, sind mir länglich geworden! (Zumal ich mich in amerikanisches Grundstücksrecht, zwischen 1760 und 1840, einzustudieren versuchen mußte; ich liebe wahrlich abstruse Lektüre; aber das war mir doch zu dick!) Falls die »Julia« je fertig werden sollte, wirst Du die prompt erhalten.

Beste Grüße, von Armstuhl zu Armstuhl, »auf die Postille gebückt, zur Seite des wärmenden Ofens«.

Zürich, den 19. 4. 1978

Lieber Arno,

Dein Brief datiert vom 24. 1. - Du magst aus der Verzögerung meiner Antwort ersehen, wie es mir in den letzten Monaten ergangen ist. Es war die scheußlichste Zeit meines Lebens - ich würde lieber nochmal ins KZ gehen, als die Anfangsmonate einer Hämodialyse-Behandlung noch einmal durchstehen. Auf 30 Tabletten, wie Du, habe ich es noch nicht gebracht, aber doch immerhin auf 22, man hat den Eindruck, daß diese ganze Chemotherapie des Teufels ist, aber was soll man machen? Man will ja nicht plötzlich unaufgeklärt sein und sich von der Dorfhexe »besprechen« lassen.

22. 1. 1979

Lieber Alfred!

Schönen Dank für Eure Glückwünsche, und zumal Frau Gisela für ihr gar nicht untiefsinniges Blatt! _(Eine Schmidt gewidmete Federzeichnung ) _(mit dem Titel »dunkle strömung«. )

Andere pikante Gaben waren etwa ein telegrafisch Lob von Helmut Kohl (dem CDU-Vorsitzenden; just think of that!); ein Strauch von 65 Rosen, zum Grauen umfangreich; und endlich eine sinister stilisierte Vorladung zum Finanzgericht, wegen Verdachts der Steuerhinterziehung (ohne den ja auch gleichsam etwas gefehlt hätte).

Schon daß Du wieder zu schreiben begonnen hast, ist unschätzbar - (ich verspüre immer weniger Lust dazu) - am gewichtigsten aber ist mir die schüchtern aufsprießende Reiselust; hast Du doch etwas von einem Besuch bei mir mit einfließen lassen: das wäre natürlich arg schön, Alfred! (Ich habe mir eine feuerfeste Camera obscura bauen lassen; _(1977/78 hatte Arno Schmidt sich auf ) _(seinem Bargfelder Grundstück ein zweites ) _(Haus bauen lassen, das ihm als Archiv- ) _(und Arbeitsraum diente. )

da können Wir sitzen und die Welträtsel über die Schulter ansehen.)

Nun pflege Du Dich nur möglichst gesund - (was mich betrifft, findest Du mein Krankheitsbild unangenehm genau im ersten Absatz des alten Dickens-Funkdialoges beschrieben) - und seid Beide noch einmal herzlichst gegrüßt.

Bargfeld, den 25. 1. 1979

Alice Schmidt an Andersch

Den guten Geburtstagswünschen schließe ich mich an.

Auf meine Seele aber drücken mich die mir gewidmeten Worte Ihrer Geburtstagsgratulation an Arno. Sie verwundern und beschämen mich, und so muß ich Ihnen widersprechen: Ich meine, Arnos Werk wäre so wie es ist, immer zustande gekommen, ganz gleich was für eine Frau Arno geheiratet hätte und auch, wenn er gar nicht geheiratet hätte. Und geschrieben hätte er es auch, unter fast allen Bedingungen.

den 9. 4. 1979

Mein lieber Arno,

Deinem Zwei-Zeilen-Hinweis, diesem Modell eines understatements folgend, habe ich sogleich den »Triton« aus meinen Büchern geholt und den Anfang von »Tom all alone''s« wiedergelesen - Du leidest also an Symptomen von Vorzeichen einer linksseitigen Lähmung. Wie sehr uns das erschreckt, wirst Du Dir denken können.

Du solltest mal ''ne Pause machen und, anstatt mich nach Bargfeld, einmal Dich und Alice nach Berzona einladen. Ich kann mir Dich als Reisenden vorstellen, am besten in London oder New York. Ich hab mal in New York etwas ganz Verrücktes gemacht, bin mit dem Bus durch den ganzen abgründig verbrecherhaften Bronx-Bezirk gefahren, bis zur Endstation, wo man das altertümlich-amerikanische Blockhaus konserviert hat, in dem Poe sich zu Tode gesoffen hat, drei winzigste Zimmerchen, und heute steht darum ein Bezirk hoher scheußlicher Altersheime, und die Alten sitzen eng aneinandergedrückt in Reihen auf den Bänken des kleinen Parks - daran hab ich mich erinnert, als ich unlängst wieder den Pym (von Edgar Allan Poe) in Deiner Übersetzung las.

Anfang Januar hatte ich in Zürich den Besuch eines amerikanischen Professors, der mich um ein Interview über Dich gebeten hatte. Ein angenehmer Mann, der natürlich in Krawehls Netz gegangen war. Ich erzählte ihm, wie Du, wie Ihr, jahrelang von 300 Mark im Monat gelebt habt, und von Deinen ja an Raserei grenzenden Arbeitsmethoden. Er wußte das alles nicht. Er hatte gehofft, irgend etwas Literar-Ästhetisches von mir mitgeteilt zu bekommen. Daß hinter Deinem Werk ein Leben von unvergleichlicher Aufopferung steht, das wissen sie alle nicht.

Berzona, den 28. 9. 1979

Andersch an Alice Schmidt

Gisela und ich, wir denken häufig an Sie, fragen uns, wie Sie die Probleme, die nach Arnos Tod auf Sie zugekommen sind und noch zukommen werden, bewältigen - das ist jetzt sicherlich kein ganz leichtes Leben für Sie.

Was uns natürlich besonders interessieren würde: Haben Sie die Erlaubnis zur Beisetzung im Garten von Bargfeld erhalten? Ich lese ja schon seit Jahren keine deutsche Zeitung mehr, weiß also nicht, ob ich da nicht irgendeine Nachricht versäumt habe. Hoffentlich haben die Behörden ein Einsehen und lassen Arno dort ruhen, wo er im Gedächtnis aller Leser seiner Werke ruhen sollte. Das wäre dann eine der würdigsten deutschen Dichter-Grabstätten. (Wenn Arno diesen Satz lesen würde, würde er nur grimmig lächeln.)

Vom Juni 1955 bis zum Dezember 1958 war Alfred Anderschfreiberuflicher Leiter der Redaktion »Radio-Essay« am SüddeutschenRundfunk Stuttgart.Das Verfahren wurde 1956 eingestellt. Neben dem Gesamttext wurdenvor allem zwei Stellen inkriminiert: »Gestalten mit wächsernemqueren Jesusblick« und die Bibel als »unordentliches Buch mit 50 000Textvarianten«.In der Tat fehlt in der späteren Buchausgabe von »Das steinerneHerz« das Epitheton »groß«.Sloan Wilsons »Der Mann im grauen Anzug« erschien auf Arno SchmidtsWunsch ohne Nennung des Übersetzers, da Schmidt vom Verlagvorgenommene Textänderungen mißbilligte.Irland-Projekt: Der Auswanderungsplan Schmidts war wohl mehr als nurein Gedankenspiel. Er hatte sich bereits an die IrischeGesandtschaft in Köln um die nötigen Formulare und Unterlagengewandt. Der Plan wurde im Januar 1957 aus finanziellen Gründenaufgegeben.Schmidt hatte Andersch am 27. 1. 1958 ein Manuskript über Stiftergeschickt.Helmut Heißenbüttel war 1958 Redaktionsassistent beim SüddeutschenRundfunk.Zweiter Intendant in der Geschichte des SDR ist seit dem 1. 9. 1958Professor Hans Bausch. Sein Vorgänger war der zur Zeit desNationalsozialismus illegal tätig gewesene Fritz Eberhard.Von 1953 bis 1955 ungarischer Ministerpräsident, am 16. 6. 1958 warer als einer der Führer des Aufstands von 1956 hingerichtet worden.Titelgeschichte über Arno Schmidt im SPIEGEL (20/1959)."KAFF, auch MARE CRISIUM«.Gisela Andersch hatte Schmidt geschrieben, daß Alfred Andersch seitHerbst 1977 auf eine künstliche Niere angewiesen sei.Eine Schmidt gewidmete Federzeichnung mit dem Titel »dunkleströmung«.1977/78 hatte Arno Schmidt sich auf seinem Bargfelder Grundstück einzweites Haus bauen lassen, das ihm als Archiv- und Arbeitsraumdiente.

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