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Theater: Nach Paris?

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aus DER SPIEGEL 35/1983

»Der erstaunlichste Anachronismus am Theater ist, daß man es noch wichtig nimmt. Der Schauspieler genießt soviel Aufmerksamkeit wie ein Selbstmörder.« Die Sätze des Regisseurs Benjamin Korn umreißen die elegisch-selbstkritische Stimmung, die am (deutschen) Theater herrscht und die das Anfang September erscheinende Jahrbuch von »Theater heute«, »Theater 83«, durch Antworten auf die Frage »Warum spielen?« mannigfaltig belegt. Während an deutschen Bühnen die neuen Impulse zu fehlen scheinen, hat Paris (dank der neuen Kulturpolitik der Mitterrand-Regierung?) so etwas wie eine Theaterblüte zu verzeichnen, kein Wunder also, daß selbst ein verwöhnter Regisseur und Intendant wie Peymann zumindest mit dem Gedanken liebäugelt, nach Paris zu gehen - wo schon Luc Bondy und Benjamin Korn neben Patrice Chereau und Ariane Mnouchkine arbeiten. Neben der Beschreibung der Theaterlandschaft steht in dem Jahrbuch wieder die Hitliste der vergangenen Saison. Kritiker wählten, unter anderen, Barbara Sukowa (in Zadeks Ibsen-Inszenierung) zur besten Schauspielerin des Jahres und den Bochumer Hermann der Kleistschen »Hermannsschlacht«, Gert Voß, zum besten Schauspieler, dessen Regisseur Peymann auch der »Sieger« unter den Inszenatoren ist. Bühne des Jahres wurde das Düsseldorfer Schauspielhaus - überraschend, wenn man die Animositäten zwischen dem rheinischen Renommiertheater und der Kritik kennt.

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