Zur Ausgabe
Artikel 53 / 80
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Theater: Rühmkorf zum fünften

aus DER SPIEGEL 22/1973

Rund zehn Jahre liegt es schon da, nun kommt es endlich ans Licht der Rampe: Peter Rühmkorfs Schauspiel »Was heißt hier Volsinii?« hat am nächsten Wochenende in Düsseldorf Premiere -- in der fünften Fassung. Denn weil sich die Zeiten wandelten, mußte der Dichter an seinem immer wieder nicht aufgeführten Werk immer wieder Hand anlegen. Die erste Fassung (64/65) hatte sieh Rühmkorf noch als »Warnung vor der kommenden Großen Koalition« gedacht. 67/68 mußte er Apo-Zeiten einarbeiten und auch »Kritik an ihren theatralischen Revolutionsbegebnissen«. Eine Buch-Fassung im Juli 69 brachte ihm den Vorwurf. ein » Lesedrama« geschrieben zu haben. Eine »dramatisch geschärfte, strategisch zugespitzte« Version wurde in Ost-Berlins »Deutschem Theater« eine Zeitlang geprobt, aber ungeplante Parallelen des Stücks zum Sowjet-Einmarsch in der CSSR verhinderten die Premiere. in »Volsinii« wird, in etruskischem Gewande, dargestellt, wie eine von Revolution bedrohte Herrschafts-Clique eine fremde Großmacht zur Hilfe ins Land ruft. Rühmkorf hatte bei diesem Vorgang freilich eher ans eigene Vaterland oder Vietnam gedacht. Nun, da das »keineswegs historisch, sondern aufklärerisch« gemeinte Stück »selbst schon ein bißchen Historie angesetzt hat«. kann es, meint Rühmkorf »von der Gesellschaft geschluckt werden.

Zur Ausgabe
Artikel 53 / 80
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.