"Adelheid und ihre Mörder"-Schauspieler Tilo Prückner ist tot

Durch charakterstarke Nebenrollen wurde er bekannt: Tilo Prückner spielte in "Kommissarin Lucas", im "Tatort" und an der Seite von Mario Adorf. Jetzt ist er im Alter von 79 Jahren gestorben.
Tilo Prückner: Das Älterwerden nahm der Schauspieler mit Humor

Tilo Prückner: Das Älterwerden nahm der Schauspieler mit Humor

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Jan Walter/ imagebroker/ imago images

Er spielte oft nicht die Hauptfigur, seine Charaktere waren aber immer prägnant: Nebenrollen in Fernsehklassikern wie "Adelheid und ihre Mörder" machten Tilo Prückner in ganz TV-Deutschland bekannt. Jetzt ist der Schauspieler tot. Prückner starb bereits am Donnerstag in Berlin im Alter von 79 Jahren. Das teilte seine Agentin der Deutschen Presse-Agentur unter Berufung auf die Familie mit.

Prückner wuchs in Augsburg auf und ging in Nürnberg zur Schule, bereits am Jugendtheater sammelte er erste Schauspielerfahrungen. Nach einem abgebrochenen Jurastudium nahm er in München Schau­spiel- und Tanz­un­ter­richt. Später gründete er die Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer mit, inszenierte teilweise auch selbst.

Im Kino arbeitete Prückner zunächst ab Mitte der Siebzigerjahre oft mit Re­gis­seuren des sogenannten Jun­gen deut-schen Films zusammen. 1975 bekam er etwa eine Rolle in dem Hei­mat­film "S­t­ern­stein­hof" nach dem Roman von Lud­wig An­zen­gru­ber, dem Ki­no­film­de­büt von Hans W. Gei­ßen­dör­fer. Für seine Rolle in "Bomber & Paganini" an der Seite von Mario Adorf erhielt er 1976 den Deutschen Darstellerpreis. Zudem spielte Prückner in der Wolf­gang-Pe­ter­sen-Fan­tasy-Pro­duk­tion "Die un­end­li­che Ge­schich­te" die Rolle des Nachtalb.

Einem breiten TV-Publikum wurde Prückner durch viele Nebenrollen in Fernsehsendungen bekannt, etwa in der Krimiserie "Kommissarin Lucas" und der Krimiklamotte "Adelheid und ihre Mörder", wo er an der Seite von Evelyn Hamann einen hypochondrischen Ermittler gab. Eine Hauptrolle spielte er seit 2015 in der ARD-Serie "Rentnercops". Mit der Festlegung auf meist tragikomische Alltagsgestalten haderte er jedoch auch.

Die Rollenangebote wurden auch im Alter nicht weniger

Ab 2001 gab Prückner für 15 Folgen den Ermittler neben dem neuen "Tatort"-Kommissar Robert Atzorn - er verfolgte aber auch andere Interessen neben der Schauspielerei: Ende 2013 veröffentlichte Prückner seinen ersten Roman, "Willi Merkatz wird verlassen".

Tilo Prückner: "Und wenn ich mich auf dem Bildschirm sehen, denke ich: Was ist das denn für ein Methusalem?"

Tilo Prückner: "Und wenn ich mich auf dem Bildschirm sehen, denke ich: Was ist das denn für ein Methusalem?"

Foto: Jan Walter/ imagebroker/ imago images

Über mangelnde Angebote konnte der Mann mit dem markanten Schnauzer nicht klagen, bis ins hohe Alter war sein Terminkalender voll - ob "Kluftingerkrimi", die "Ostwind"-Filme oder eben der ZDF-Dauerbrenner "Kommissarin Lucas". Das Älterwerden nahm der Schauspieler mit Humor. Früher sei er der Jüngste am Set gewesen, heute eben der Älteste, hatte er der Deutschen Presse-Agentur anlässlich seines 75. Geburtstages gesagt. "Und wenn ich mich auf dem Bildschirm sehe, denke ich: Was ist das denn für ein Methusalem?" Die Rollenangebote seien jedenfalls nicht weniger geworden, die Figuren nur eben älter.

Jörg Schönenborn, ARD-Koordinator Fiktion, würdigte den Schauspieler  jetzt "als Charakterkopf und Charakterschauspieler". Und weiter: "Wir verlieren mit ihm einen der großen Volksschauspieler, der mit seinem unnachahmlichen augenzwinkernden Understatement sein Publikum in Haupt- und Nebenrollen gleichermaßen bewegt und begeistert hat." Die ARD kündigte an, Prückner am Mittwoch um 20.15 Uhr mit einer Wiederholung des neun Jahre alten Films "Holger sacht nix" zu ehren - Prückner spielt hier einen verbitterten Bauern, dessen Tochter aus der Stadt auf den elterlichen Hof zurückkehrt.

eth/dpa
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