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FILM Tod an der Hecke

»Monty Python's Der Sinn des Lebens«. Spielfilm von Terry Jones. Großbritannien 1983. 106 Minuten; Farbe. *
Von Peter Stolle
aus DER SPIEGEL 34/1983

Die Engländer sind so komisch, weil sie verrückt sind. Sie sind so verrückt, daß sie es noch nicht einmal mehr selbst merken« - nach diesem Motto sägt die Komiker-Truppe Monty Python seit Jahren beharrlich an den Säulen britischen Ehr- und Nationalgefühls.

Sie verspottet Klassendünkel und kolonialen Hochmut, Autoritäten in der Schule, auf der Elite-Universität, in Uniform oder im weißen Ärzte-Kittel - alles, was den Briten heilig ist, haut die lärmende Anarcho-Company erbarmungslos in die Pfanne.

Im Fernsehen hatten sie damit, in insgesamt 45 Shows, krachende Erfolge, fürs Kino produzierten die närrischen Pythons beispielsweise die König-Artus-Parodie »Die Ritter der Kokosnuß«. Der Jesus-Ulk »Das Leben des Brian« erzürnte Kirchenkreise, die in der »unerhörten Film-Satire« ein »Verbrechen gegen die Religion« erkannten.

Nun also haben die Londoner Blasphemiker über den »Sinn des Lebens« nachgedacht, der für die Tollhaus-Truppe natürlich im nackten Wahnsinn liegt - in einer Sketch-Revue, die sich wieder einmal schwer an den Regeln des guten Geschmacks versündigt. Freilich leidet die erheiternde Wirkung dieses tiefenphilosophischen Werks bisweilen an der pythonesquen Brachial-Komik, die ihre Pointen auf dem Schlachtfeld der Klamotte erschlägt.

Kirche, Militär, Schule und Mediziner - alle kriegen sie wieder eins drauf. In einer Sottise über die päpstlichen Empfängnisvorschriften singt eine wohl hundertköpfige Familie im Chor »Jedes Sperma ist heilig«, ein Ballett aus Nonnen und Priestern tanzt dazu. Niederbayrische Meßdiener allenfalls mögen dies als lästerlich empfinden.

Im »1. Zulu-Krieg von 1879«, nächste Nummer, polieren sich - mitten im Gefechtstümmel - blasierte Offiziere die Fingernägel, die niederen Dienstgrade verrecken unterm Zulu-Speer.

Im Sexualkunde-Unterricht an einem britischen Internat erkundigt sich der Lehrer nach den »Möglichkeiten, die Vaginalsäfte zum Fließen zu bringen«. Müde spricht der Schüler Watson: »Die Klitoris reiben.« Erregt springt der Erzieher auf: »Warum denn kein Kuß, Junge? Warum nicht mit einem schönen, ordentlichen Kuß anfangen?« Und während die Klasse gelangweilt vor sich hin döst, ruft der Pädagoge seine Frau und führt die Vaginal-Lektion auf einem Klappbett vor.

Aber es gibt auch Episoden, in denen die harmlos-chaotische Blödelei in satirische Bosheit umschlägt, beispielsweise die Freß-Orgie in einem Luxus-Restaurant, wo ein kolossaler Fettsack - nach einem ebenso kolossalen Menü - den feinen Leuten auf die Teller kotzt.

Und selbstverständlich treiben die Pythons auch ihre Scherze mit dem Tod. Während einer Dinner-Party in einem Landhaus klopft der Gevatter leibhaftig mit der Sense an die Tür. Der Gastgeber öffnet und sagt freundlich: »Ach, Sie kommen wegen der Hecke!«

Dieser schwarze Nonsens ist nun doch wieder von der feineren englischen Art.

Peter Stolle

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