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SCHRIFTSTELLER Tod in Schanghai

aus DER SPIEGEL 43/1997

Ein schönes, empfindsames Gesicht, ein großartiger Autor und Dramatiker - doch wer kennt schon Max Mohr? Noch ehe er Medizin zu studieren begann, packte den 1891 geborenen Sohn einer jüdischen Fabrikantenfamilie aus Würzburg die Sehnsucht nach Alpen und Abenteuer. Im Ersten Weltkrieg versorgte der Sanitätsunteroffizier im Trommelfeuer der Granatwerfer verwundete Soldaten und begann, Gedichte zu schreiben. Später pendelte er als Schriftsteller zwischen ländlicher Beschaulichkeit mit Familie am Tegernsee und dem erregenden Großstadt-Theater Berlins an der Seite seines Freundes Heinrich George. Mohrs Artisten-Komödie »Improvisationen im Juni« wurde in München 50mal und danach auf fast allen deutschen Bühnen bejubelt. Sein Drama »Ramper« wurde 1925 in fünf Städten gleichzeitig uraufgeführt. 1934 emigrierte Mohr nach Schanghai. »Ich bin dichterisch, literarisch und politisch und erotisch völlig tot«, schrieb er. Schon zwei Jahre später wollte er wieder heimfahren. 1937 starb er in der Fremde mit 46 Jahren. Das Münchner Literatur-Archiv Monacensia zeigt bis zum 20. Februar 1998 Fotos, Schriften und Erinnerungsgegenstände Max Mohrs.

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