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Tony Blair Vorteil für Blair

aus DER SPIEGEL 19/2022
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Wenn Ansprüche sinken, kann das von Vorteil sein. Tony Blair, 69, ehemaliger britischer Premierminister, spürt das gerade. Denn die Erwartungen an einen Elder Statesman sind derzeit niedrig. Danke, Gerhard Schröder. Den Tiefpunkt markiert ein Interview, das Schröder der »New York Times« gegeben hatte, unter Einfluss von Weißwein und in Bezug auf Putin noch realitätsferner, als man es befürchtet hatte. Mit Blair führte die »New York Times« nun sogar ein Gespräch vor Kameras. Und obwohl sein Ruf wegen diverser fragwürdiger Entscheidungen in seiner Amtszeit auch nicht der allerbeste ist, so wird man doch neidisch, wenn man sieht, dass andere Länder einen Ex-Regierungschef haben, der konzise, schlüssige, uneitle Sätze sagt und nachvollziehbare Analysen abgibt. Er sagte auch: »Ich habe schon zwei Inkarnationen von Putin kennengelernt. Jetzt habe ich Angst, dass wir die dritte erleben.« Er meinte die Entwicklung vom Nationalisten zum Realitätsverweigerer. Auch damit hat er sich nicht blamiert und vor allem aus deutscher Perspektive so ge­sehen schon gewonnen.

xvc
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