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THEATER Totale Energie

aus DER SPIEGEL 4/2007

Es soll das »Erzmanifest der Vorrevolution« werden: »De Frau«, das erste Theaterstück des Hamburger Künstlers Jonathan Meese. Um was es geht, ist auch wenige Tage vor der Premiere diesen Mittwoch an der Berliner Volksbühne schwer in Erfahrung zu bringen. Ein Textbuch gibt es nicht, stattdessen nur handgeschriebene Gedankenzettel des 36-Jährigen, deren Zahl mittlerweile auf knapp 1000 angewachsen sein soll. Immerhin, das Personal lässt sich daraus erschließen: Napoleon, Ezra Pound, Dick & Doof und Vampirella treten auf, aber auch Meeses leibhaftige Mutter wird dabei sein. Gemeinsam versuchen sie im Jahr 2023, die Welt zu retten. Jonathan Meese, mit seinen raumgreifenden, stets mit starken Symbolen operierenden Trash-Panoramen Liebling der internationalen Kunstwelt, will natürlich auch auf der Bühne »das System zum Einsturz bringen«. Regisseur hingegen will er nicht sein - Regie führen sollen nach seinem Willen der Raum und die »Saalkraft«. Das ist ein bislang unerprobtes Konzept im Staatstheater, dem Meese sich durch Bühnenbilder für Frank Castorfs »Kokain« und »Meistersinger« genähert hat. Der Schaupieler Bernhard Schütz, der den jungen Kinski gibt, ist zuversichtlich: »Das ist die totale Energie, das absolute Theater der Liebe. Wirklich etwas, das man so noch nie gesehen hat.« Ob totale Verausgabung und Repertoiretheater zusammengehen, wird sich zeigen.

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