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Toter Baum als »Pranger«

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aus DER SPIEGEL 4/1984

Die 80jährige Ulme starb einen natürlichen Tod. Das hinderte den Düsseldorfer einstigen »Zero«-Künstler Günther Uecker (Spezialität: Nagel-Reliefs) nicht, daraus ein Mahnmal zu machen, einen »Kunstpranger«, an den er die umweltsündige Menschheit stellt. Statt den drei Meter hohen Stumpf des in einem Wuppertaler Park zwangsläufig gefällten Baumes der Müllverbrennung zu überlassen, hat er ihn auf seine Art verwertet. Eine Mischung aus Leim sowie der Asche der verbrannten Krone diente Uecker nicht nur zu Zeichnungen auf Papier, sondern auch dazu, die Sägeschnitte des Ulmen-Torsos schwarz zu bestreichen. Dann versah er ihn noch mit seiner typischen Benagelung, und jedenfalls im »Reich der Kunst« war der Baum »vor der Vernichtung bewahrt«. Das effektvoll pathetische Stück ist in einem klassizierenden Park-Pavillon vom Ende des 19. Jahrhunderts als eine Ausstellung der Wuppertaler Galerie Annelie Brusten zu besichtigen.

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