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PLATZGESTALTUNG Treppe zum Amt

aus DER SPIEGEL 35/2000

Jetzt kann ich mein Wahlversprechen einlösen«, jauchzt der Kasseler Oberbürgermeister Georg Lewandowski (CDU). Jahrelang war er juristisch gehindert, eine zweckfreie Treppenkonstruktion auf dem zentralen Königsplatz zu demontieren, obwohl ihn nicht zuletzt die laut verkündete Absicht, ebendies zu tun, 1993 ins Amt getragen hatte. Vorigen Dienstag nun entschied das Kasseler Landgericht, das Eigentum der Stadt an dem Kunst-Bauwerk wiege schwerer als das Copyright, auf das sich der Treppen-Bauer, der Hamburger Landschaftsarchitekt Gustav Lange, beruft. Der hatte im Auftrag eines SPD-geführten Stadtregiments den einst barocken, durch Bombenkrieg und Wiederaufbau ruinierten runden Platz mit einem neuen Belag versehen, mit konzentrischen Platanenreihen bepflanzt und mit der »demokratisch« aus der Mitte gerückten Treppe aufgemöbelt. Dem bemühten Design gab sogar die neunte Documenta (1992) ihren Segen, doch das Kasseler Volksempfinden bäumte sich auf. Mit dem Argument, ein Abriss der mittlerweile arg verwahrlosten Treppe verfälsche den Gesamtentwurf und verletze so sein Urheberrecht, erwirkte Lange eine (vorerst noch gültige) einstweilige Verfügung zu seinen Gunsten; alles auf einmal wegzuräumen wäre der Stadt kaum zu verwehren gewesen. Nach dem neuen Richterspruch denken, Lewandowskis Jubel zum Trotz, beide Seiten erst einmal nach. Lange könnte durchaus in Berufung gehen.

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