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Trinkwassermusik aus dem Speicher

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aus DER SPIEGEL 24/1985

Eigentlich wollte Hinnerick Bröskamp bloß einen Video-Film über Trinkwassergewinnung drehen. Doch dann, im überholungsbedürftigen Wasserspeicher im Kölner Severinsviertel, kamen ihm »Assoziationen an Einsamkeit, Gefängnis, Folter, Verfolgung« - und ein Einfall: er ließ Jazz-, Folk- und Experimentalmusiker in den mächtigen Säulengewölben spielen - mit verblüffenden Effekten. Weil der Nachhall bis zu 45 Sekunden dauerte, klang die Posaune des DDR-Jazzers Conrad Bauer »wie zwei Instrumente«. Den Experimentalmusiker Gerhard Veeck erstaunte, daß »hohe Töne länger als tiefe« reflektiert und »Obertöne hervorgehoben« wurden - mithin ein Klang jenseits der Komposition entstand. Die meditativen Klänge setzte das Tanzforum der Kölner Oper in surreale Szenerie um. Die Trinkwassermusik ist jetzt auf einem Doppel-Album »Vor der Flut« veröffentlicht (Eigelstein/EfA-Vertrieb). Der Titel macht Sinn, denn inzwischen sind die Hall-Hallen wieder mit 20 Millionen Liter Wasser gefüllt.

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