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POP Triumph des Verlierers

aus DER SPIEGEL 47/1998

Anfang der Neunziger sorgte ein blondes Bürschchen, das im Videoclip einen Pappkarton hinter sich herschleifte, in der Musikwelt für Aufregung: »Ich bin ein Verlierer, Baby«, raunzte er und fügte schlaff hinzu: »Warum killst du mich nicht?« Der Kauz, der sich als Sänger nur Beck nennt, wurde mit »Loser« zum Star, er bekam einen tollen Plattenvertrag und so ziemlich alle Auszeichnungen, die im Popgeschäft zu vergeben sind. Er kaufte sich glitzernde Anzüge und ist erstaunlicherweise, wie es ihm einst Bob Dylan prophezeite, immer noch ein gefeierter Held. Und das, obwohl er zu den wenigen Entertainern zählt, denen zu glauben ist, daß ihnen die vermeintlichen Erfolgsregeln des Geschäfts absolut gleichgültig sind. Beck Hansen, 28, Sohn einer Warhol-Mitarbeiterin und Enkel des Fluxus-Künstlers Al Hansen, spielt nur, wozu er Lust hat: Sample-überladenen HipHop oder amerikanische Bergarbeiter-Folklore - je nach Laune. Auf seinem neuen Album »Mutations« (Geffen/Universal) gibt sich der ewige Knabe klassisch. Er amüsiert sich mit Gitarre und Band und eigenen Songs in der Tradition von Nick Drake, Donovan und Dylan - und das mit Bravour. Nur die verläßlich jubelnden Kritiker irritieren ihn: »Ich will einfach nur ein wenig Blödsinn machen.«

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