Kennedy-Dokumentation auf Vox Ick bin ain Schlawiner

Schwärmer und Schwerenöter, Stratege und Getriebener: Eine SPIEGEL-TV-Dokumentation zeigt die vielen Facetten des John F. Kennedy. Ein Porträt zum 50. Todestag der Politlegende.

VOX/ SPIEGEL TV

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Der Mann, der unter Schüssen tödlich getroffen zusammensackt. Die Frau, die panisch versucht, über das Heck aus dem Auto zu fliehen. Der Sarg, der aus dem Flugzeug geladen wird. Die Witwe, die man dahinter aus der Maschine hievt und die unter dem Mantel immer noch das Kostüm aus dem Auto trägt. "Ich wollte, dass die Menschen das Blut sehen", soll Jackie Kennedy danach gesagt haben. Ein drastischer Satz, eine harte Geste. Und doch nur das konsequente Ende eines Lebens voller öffentlicher Inszenierung und großer, überlebensgroßer Bilder. Ikonischer Momente, sorgfältig frisiert.

Nach 1036 Tagen im Amt des Präsidenten wurde John F. Kennedy am 22. November 1963 erschossen. Bei keinem amerikanischen Präsidenten fielen Triumph und Trauer, Feiern und Fallen so eng zusammen wie bei ihm und seiner Familie, chronisch gebeutelt von Unglücksfällen, Anschlägen und Sterbefällen vor der Zeit.

Die vierstündige SPIEGEL-TV-Dokumentation "50 Jahre Kennedy-Attentat - Geheimnisse einer amerikanischen Dynastie" erzählt John F. Kennedys Geschichte und bemüht sich dabei, auch hinter die Inszenierung des vordergründig so kraftmeierischen Präsidenten zu sehen - mit Interviews, in denen Familienmitglieder erzählen, mit Amateurfilmen aus Privatbesitz und bislang unveröffentlichten Tonaufnahmen.

Wettkampf unter den Geschwistern

Etwa dem Mitschnitt eines privaten Abendessen, bei dem JFK einem befreundeten Journalisten von seiner schwer angeschlagenen Gesundheit erzählte - wenn auch im typischen unbekümmerten Grinseboy-Tonfall. Heimlich litt der Präsident unter massiven gesundheitlichen Problemen, schluckte Schmerzmittel, Amphetamine und Antidepressiva, um Nierenleiden, Rückenprobleme und zwischendurch auch mal Malaria und Geschlechtskrankheiten in Schach zu halten.

Bis zu zwölf verschiedene Medikamente soll er täglich genommen haben, musste ein Stützkorsett tragen, um öffentlich weiterhin überzeugend den Zupack-Präsidenten, den toastbrotbraunen Kraftstrotz spielen zu können.

Als Kind und Jugendlicher habe ihr Bruder oft krank im Bett gelegen, mit Fieber, Bronchitis, erinnert sich Kennedys Schwester Jean Kennedy-Smith, die in der Doku zum ersten Mal im deutschen Fernsehen spricht, und auch Kathleen Townsend Kennedy, JFKs Nichte, kommen zu Wort. "Ich bin Nummer acht. Ich bin die letzte Überlebende", sagt sie über sich und erzählt von ihrer Kindheit in der irisch-amerikanischen Großfamilie, dem ständige Wettkampf unter den Geschwistern, der strengen Mutter, die ihre Kinder in den Schrank sperrte, wenn sie nicht gehorchten - und die manchmal vergaß, dass seit Stunden schon eines darin saß, so dass es eng werden konnte im Strafkabuff.

Eroto-ethnografische Beobachtungen

Auf der anderen Seite dann Joseph Kennedy, der ehrgeizige Vater, reich geworden an der Börse, mit am Ende unerfüllt gebliebenen politischen Ambitionen. Nach dem frühen Tod seines Hoffnungssohnes Joe im Zweiten Weltkrieg muss John den Masterplan des Vaters erfüllen. Doch der sieht die Welt nur bedingt durch die Augen eines Politikers. Bei seiner ersten Europareise als Student hinterlässt John F. Kennedy 1937 verwüstete Hotelzimmer, berichtet ein Historiker. Und als er zwei Jahre später wenige Tage vor Kriegsausbruch bei einer zweiten Reise zurückkehrt, notiert er statt seiner geplanten Recherchen für seine Uni-Abschlussarbeit lieber eroto-ethnografische Beobachtungen über die polnischen Frauen, die "nicht besonders heiß" seien.

1945 kommt Kennedy nach Kriegsende schließlich abermals nach Berlin, besichtigt die Reichskanzlei, reist weiter zu Hitlers einstigen Berghof auf dem Obersalzberg - und schreibt anschließend vom "Mysterium Hitler": "Er war aus dem Stoff, aus dem Legenden sind", befand Kennedy - ohne Nazi-Verbrechen und Gräueltaten mit einem Wort zu erwähnen.

Was die SPIEGEL-TV-Dokumentation hier zeigt, ist mehr als eine historische Fußnote. Die bedenklich begeisterten Einlassungen JFKs geben der berühmten "Ich bin ein Berliner"-Rede am Schöneberger Rathaus eine andere Schattierung - weil der "freie Mann", der diese Worte so stolz ausspricht, als junger Heißsporn offensichtlich so etwas wie Bewunderung für Hitler empfand. Ein kleiner Knacks in der polierten Fläche.

Dabei ist die Collage aus Zeitzeugen-Berichten, Erinnerungen von Familienangehörigen, Expertenstimmen, Tonband- und Filmaufnahmen nicht darauf aus, Kennedy zu demontieren - sie schabt aber am Mythos, zeigt den öffentlich Starken in seiner privaten Schwachheit, den hoffnungsvoll Zukunftsgewandten als naiven Schwärmer, den properen Family Man als sexuellen Gierschlund. Und zeigt: Im Blick auf Kennedy muss man nicht eine dieser Sichtweisen wählen, weil sich sein Bild aus vielen widersprüchlichen Facetten zusammensetzt.

Ganz im Sinne eines Mottos, das Vater Joseph Kennedy angeblich gerne zitierte: Es kommt nicht darauf an, was du bist, sondern wofür dich die Menschen halten.

TV-Tipp für Samstagabend: 50 Jahre Kennedy-Attentat - Geheimnisse einer amerikanischen Dynastie; 20.15 - 0.20 Uhr; Vox

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Seite 1
panthera_leo588 16.11.2013
1. besser recherchieren
Jackie Kennedy wollte nicht aus dem Auto fliehen. Sie ist auf das Heck des Fahrzeugs gestiegen, weil sie im Schock ein Schädelfragment ihres Mannes einsammeln wollte, das dort lag. Schaut euch einfach mal ein Interview mit ihrem persönlichen Bodyguard an, der sie dann auch wieder ins Auto gedrückt hat.
totalmayhem 16.11.2013
2.
Und das ist noch bescheiden hoeflich ausgedrueckt. "Schlawiner" is eine grandiose Verharmlosung. Ausserdem war John F. ohnehin nur die Notloesung, nachdem der urspruenglich fuer das Praesidentenamt herangezuechte Erstgeborene in einem ferngesteuerten Kamikaze-Bomber das Zeitliche gesegnet hat.
fatherted98 16.11.2013
3. Das dieser Mann...
...die Welt knapp an einem Atomkrieg gebracht hat, was ihm nun keiner mehr uebel nimmt weil er Riesen Glueck gehabt hat das die Russen den Schwanz einzogen, das haben die ganzen Fans wohl vergessen...wenns nicht geklappt haette wuerden wir heute wieder auf den Baeumen hocken....naja...eigentlich wuerden gar keiner mehr irgendwo hocken...die Menschheit waere ausradiert....
Sam_Dicamillo 16.11.2013
4. Authenticjazzman
Immer das gleiche verlogenen Märchen : Democraten, Kennedy bis der jetztige "Friedenspresident",werden als "charismatic" und "Hoffungsträger" und "Sozial" und "Peace loving", usw dargestellt und Republicaner als "Kriegstreiber" und "Unsozial", und "Reichen Ausbeuter". Fakt ist die Republicaner haben 1964, die "Civil rights legislation", die "Gleichstellungsrechte" für Afroamericaner, gegen den Widerstand der Democraten durch den Kongress gebracht, und der KKK ist von Democraten gegründet worden, und die Democraten haben mehr Kriegen angefangen oder dafür gevotet als die Republicaner, und die reichesten Bonzen sind Democraten : Gates, Buffett, Kerry, die Kennedys, die ganzen Hollywood anti-kapitalistischen Kapitalisten, usw.
donnerfalke 16.11.2013
5. Wie Bitte?
Zitat von fatherted98...die Welt knapp an einem Atomkrieg gebracht hat, was ihm nun keiner mehr uebel nimmt weil er Riesen Glueck gehabt hat das die Russen den Schwanz einzogen, das haben die ganzen Fans wohl vergessen...wenns nicht geklappt haette wuerden wir heute wieder auf den Baeumen hocken....naja...eigentlich wuerden gar keiner mehr irgendwo hocken...die Menschheit waere ausradiert....
Seien Sie Bitte nicht so flapsig mit historischen Fakten. Die Russen haben mit Sicherheit nicht den Schwanz eingezogen sondern es war das Resultat einer diplomatischen Verhandlung und des diplomatischen Geschicks von Kennedy. Seine wie üblich hirnverbrannten Generäle wollten ihn überreden den Atomkrieg zu starten, informieren Sie sich Bitte.
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