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ZDF-Jubiläum: So geht's nach vorn

Foto: Christian Charisius/ dpa

50 Jahre ZDF Specken Sie mal bitte ab!

Wollen wir noch mehr Lanz? Oder teuren Fußball? Das ZDF feiert 50. Geburtstag, hat aber keinen Plan für die nächsten 50 Jahre. Wir schon. Zum Jubiläum gibt's fünf Fitness-Tipps.
Von Daniel Bouhs

Ein Hauptprogramm, drei Digitalkanäle, Gemeinschaftsprojekte wie 3sat, Phoenix und Arte, etliche Plattformen im Netz, mehrere Apps - zu seinem 50. Geburtstag kommt das ZDF so breit aufgestellt daher wie nie zuvor. 15 Cent pro Tag zahlt jeder Beitragszahler anteilig an den Sender, der in seiner eigenen kleinen Welt auf dem Mainzer Lerchenberg residiert.

Doch jetzt stehen die Zeichen auf Rückbau: Das Unternehmen wurde verdonnert, Personalkosten zu sparen. Es muss sich von Hunderten Mitarbeitern trennen, hat bereits Sendungen gestrichen - und schafft gar seinen Ableger ZDFkultur ab. Die Krise ist für die Macher um Intendant Thomas Bellut aber auch eine Chance in sich zu gehen: Wie wollen sie den Sender fit für die nächsten 50 Jahre machen? Wir haben da fünf Tipps.

1. Abspecken!

Die Strategie, eine vielköpfige Programmfamilie aufzubauen, hatte ihren Charme. Aber der Expansionswahn rächt sich jetzt, es muss eingedampft werden: Weg mit dem hässlichen Ballast, her mit einem kompakten Angebot! Weg also mit Boulevard wie "Hallo Deutschland" und "Leute heute". Das kann RTL eh besser. Weg auch mit seichten Spätabend-Talks, dieser Beschäftigungstherapie für Moderatoren wie Markus Lanz und dieser PR-Plattform für sogenannte Gäste. Nur so entstehen frische Formate, die sonst auf der Strecke bleiben. So wie jüngst "Europa plus": Das ZDF hat sein Europamagazin Ende 2012 vom Schirm genommen. Ausgerechnet in der Euro- und Europakrise. Geht's dümmer?

2. Inneren Schweinehund überwinden!

Haben Sie mitbekommen, wie oft das Politmagazin "Frontal 21" in den vergangenen Monaten lief? An elf möglichen Sendetagen gerade sechsmal. Ein verlässlicher Sendeplatz ist hier nicht mehr die Regel, sondern die Ausnahme. Und die Projektreihe "ZDF Zeit", die mit Erfolg versuchte, gesellschaftliche Debatten mitzugestalten, porträtiert nun von Ende April an lieber sechsmal die "Traumfabrik Königshaus". Als ob die TV-Macher ihr Publikum entwöhnen wollten. Der Mut zu hauseigenen Formaten mit anspruchsvollen Stoffen, die sich entwickeln können, ist auf dem Lerchenberg zu selten vorhanden.

3. Rückgrat stärken!

Millionen für die Champions League, aber das Aus für einen ganzen Sender: Wie soll in den Redaktionen des ZDF Ruhe einkehren, wenn Geld verbrannt wird - ohne jede Not? Gerade dieses Fußballturnier ist purer Kommerz, der gut bei Privatsendern aufgehoben wäre. Die aber wurden mit öffentlich-rechtlichem Geld überboten. Und was hat das Zweite davon? Es baut sein Programm um, damit es den Sponsoringvorstellungen des europäischen Fußballverbandes Rechnung tragen kann - ein "Champions League"-Magazin am frühen Abend mit "Werberahmenprogramm" inklusive. Spiele mit deutscher Beteiligung sind dafür aber nicht garantiert. So war der Sender wegen seiner eingeschränkten Verträge Anfang März gezwungen, statt der Partie Borussia Dortmund gegen Schachtjor Donezk die Begegnung Paris St-Germain gegen FC Valencia zu übertragen. Zurück bleibt Frust im eigenen Haus, das mit den Finanzmitteln auch die Substanz des eigenen Programms schwinden sieht - zugunsten der Quotenjagd. Die ist in Maßen zwar berechtigt, denn auch öffentlich finanzierte Sender sollen Zuschauer begeistern. Aber bitte nicht auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

4. Entspannen!

Wenn sich das ZDF dazu durchringt, sich mit "Neuen Medien" zu beschäftigen, wie die zuständige Hauptabteilung auch im Jahr 2013 noch heißt, gilt die Devise: Viel hilft viel. Dabei ist viel oft einfach viel zu viel. Soziale Netzwerke sollten natürlich ins Programm einfließen - immerhin äußern sich immer mehr Politiker und Promis zuerst dort. Aber muss es im ZDF deswegen vor banalen Netzzitaten nur so wimmeln? "Ich bin so aufgeregt...", twitterte etwa CSU-Politikerin Dorothee Bär ins Laufband der Papst-Berichterstattung. Aha, wie aufregend. Und überhaupt: Eigens entsandte Online-Journalisten setzten aus dem Vatikan Geschichten mit Titeln wie "Menschen, die auf Schornsteine starren" ab - Realsatire. Was fehlt: Souveränität im Digitalen. Berichten, was ist. Nicht, was nicht ist.

5. Herausforderungen suchen!

Kontinuität bei den Programmgefäßen, aber Entwicklung in der Machart: Aus der klassischen Dokumentation wurde mit der wöchentlichen Reihe "Zoom" die Presenter-Reportage - der Journalist agiert im Bild statt unsichtbar im Hintergrund. In der Reihe "Außendienst" des Klassikers "Auslandsjournal" mischen Reporter wiederum in den Milieus in aller Welt mit, statt den bequemen Beobachter zu geben. Beide Formate feiern Erfolge. Das ZDF zeigt damit bereits, wie sich das Medium Fernsehen intelligent weiterentwickeln kann, um auch in Zukunft zu bestehen. Und darum geht es ja. Hier haben die Mainzer also den richtigen Kurs eingeschlagen. Ausnahmsweise gilt: Weiter so.

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