"50 pro Semester" Haderthauer kritisiert Sex-Doku auf ProSieben

"Moderne Kopfgeldjagd", "Sexobjekte": Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer übt harsche Kritik an der geplanten ProSieben-Reihe "50 pro Semester". Darin sollen sich Studenten einen Flachleg-Wettbewerb liefern. Der allerdings ist nur gestellt - mit Schauspielern.
Familienministerin Haderthauer: "Verheerende Botschaft"

Familienministerin Haderthauer: "Verheerende Botschaft"

Foto: DAPD

Hamburg/München - Standortpflege oder Medienschelte? Die bayerische Familienministerin Christine Haderthauer hat in der "Passauer Neuen Presse" die ProSieben-Serie "50 pro Semester" kritisiert. Darin sollen fünf Studenten mit einer Wette gegeneinander antreten: Wer in einem Semester 50 Männer oder Frauen ins Bett bekommt, hat gewonnen.

Was sich nach einer testosterongeladenen Phantasie allzu lang alleinlebender Maschinenbaustudenten anhört, ist allerdings fingiert: "50 pro Semester" ist kein echtes Reality-TV, sondern eine Schein-Dokumentation mit Schauspielern - das Format nennt sich "Scripted Reality".

Haderthauer hält das nicht davon ab, sich über die Sendung zu beklagen: "Es ist eine verheerende Botschaft an alle Zuschauer, wenn Frauen und Männer in einer Art moderner 'Kopfgeldjagd' zu Sexobjekten degradiert werden", sagte die CSU-Politikerin am Donnerstag. "Nur weil es sich um einen Privatsender handelt, kann dieser nicht losgelöst von jeder gesellschaftlichen Verantwortung agieren."

Haderthauer drohte rechtliche Schritte an: "Jeder, der bei uns Lizenzen verliehen bekommt, hat damit auch eine bestimmte Verantwortung übertragen bekommen. Gegen diese wird bei einem solchen Format grob verstoßen."

Der Sendetermin der Pilotfolge ist erst für Mitte Januar geplant - der Wirbel, den Haderthauer mit ihrer Schelte ausgelöst hat, ist somit beste Vorab-PR. Angesichts der Erfahrungen mit dem vergleichbaren Rummel im Vorfeld der RTL-Serie "Erwachsen auf Probe"könnte man ihr Zeitungsinterview geradezu als flankierende Werbemaßnahme für einen in Bayern ansässigen Sender bezeichnen.

Wer sonst hätte den auf 16 Uhr angesetzten Pilotfilm überhaupt wahrgenommen?

So aber profitieren beide Seiten: ProSieben bekommt seine Schlagzeile ebenso wie Haderthauer die ihre. Die Ministerin kann sich zudem beim konservativen Flügel der CSU als Hüterin studentischer Keuschheit profilieren - hatte sie es sich doch mit den Traditionalisten ihrer Partei verdorben, als sie den uneingeschränkten Vorbildcharakter von Franz Josef Strauß in Frage stellte.

"Sexualität wird zum Objekt"

Auch der Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien und Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz, Wolf-Dieter Ring, sieht die Gefahr einer negativen Wertevermittlung: "Sexualität und Liebe werden möglicherweise zum Objekt."

Nicht nur die bayerischen Germanistik-, auch die Philosophiestudenten könnten über diesen Gebrauch des Begriffs noch Hausarbeiten zu schreiben haben: Kann man angesichts eines aktiv handelnden Schürzenjägers von Sexualität als Objekt sprechen?

Allzu viel Sex allerdings dürfen die Fernsehzuschauer gar nicht erwarten. Eine Sprecherin von ProSieben betonte: "Die Jugendschutzrichtlinien werden eingehalten." Wie viele Bettszenen überhaupt zu sehen sein werden, könne sie noch nicht sagen. "Wir haben am Montag erst mit der Produktion in München begonnen."

sha/dpa
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