60 Jahre ARD Ist das Erste auch das Beste?

Schampuslaune im Ersten: Die ARD wird 60 Jahre alt und wirft sich das Gala-Kleid über. Doch: Wie gut ist der Sender im Vergleich zum ZDF aufgestellt? SPIEGEL ONLINE hat analysiert, wer die besten Krimis, schärfsten Polit-Talks und fähigsten Moderatoren hat.

Feier doch mit der Maus: Am Donnerstagabend zeigt das Erste "Die große Geburtstagshow"
NDR

Feier doch mit der Maus: Am Donnerstagabend zeigt das Erste "Die große Geburtstagshow"

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Günther Jauch, Thomas Gottschalk, Florian Silbereisen, Boris Becker und Frank Elstner: Wenn die ARD ab Donnerstag ihren 60. Geburtstag feiert, fährt der Senderverbund große Namen auf. Und räumt massenhaft Sendeplatz frei - für nicht nur eine, sondern gleich zwei Geburtstagsgalas (Donnerstag und Samstag, jeweils 20.15 Uhr) sowie vier "Lange Nächte" (Donnerstag bis Sonntag, ab ca. 23 Uhr) voller Erinnerungen an zurückliegende Highlights.

Bei so viel geschichtsverliebter Feierei kann eines schnell aus dem Blickfeld geraten: die Qualität des aktuellen ARD-Programms. Wie gut ist das Erste im Vergleich zu seinem Konkurrenten, dem ZDF, wirklich aufgestellt? Wer kommt seinem Bildungsauftrag besser nach, wer bietet die spannendere Unterhaltung, wer ist besser für die Zukunft gerüstet?

SPIEGEL ONLINE hat ARD und ZDF in neun Programmbereichen verglichen und Punkte für die beste Leistung vergeben.

Wer produziert die besten Krimis?

Kölner "Tatort"-Duo Behrendt (l.), Bär; ZDF-Krimi mit Hinnerk Schönemann (v.)
WDR / ZDF

Kölner "Tatort"-Duo Behrendt (l.), Bär; ZDF-Krimi mit Hinnerk Schönemann (v.)

Ein bisschen schal klingt sie inzwischen schon, die "Tatort"-Fanfare am Sonntag. "Dienst nach Vorschrift" scheint die Devise in den unterschiedlichen Fernsehrevieren zu lauten. Gerade den einst stärksten Teams geht die Puste aus: Die Ermittler im Kölner "Tatort" Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär zum Beispiel, einst Garanten für politisch brisante, formstark inszenierte Aufklärungskrimis, hangeln sich inzwischen mit soziologischer Folklore von Currywurst zu Currywurst.

Auch die bayerischen Kollegen, die früher mit Ganzkörpereinsatz tief in die Geheimnisse und Eigentümlichkeiten der unterschiedlichen Münchner Quartiere hinabstiegen, agieren wie eine Altherren-WG. Keine Frage, Routine zermürbt. Vielleicht geben die Frankfurter Cops Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf, obschon immer noch in ästhetisch und thematisch aufregenden Episoden wie zuletzt "Weil sie böse sind" unterwegs, ja deshalb nach kaum acht Jahren ihre Dienstmarken ab.

Und all die "Tatort"-Neuzugänge, die harten Kerle und Weiber in Leipzig, Stuttgart, Saarbrücken und Hamburg? Klar, mit dem Ermittler Batu hat der NDR endlich eine moderne Ermittlerfigur geschaffen, die sich durch ein Hamburg jenseits aller touristischen Impression arbeitet - und der am Sonntag neu startende NDR-"Polizeiruf 110" aus Rostock ist ebenso von allen Krimi-Klischees bereinigt. Für Leipzig, Stuttgart und Saarbrücken allerdings gilt: Zwischen dialektbefreitem Forensik-Sprech und selbstgerechter Erregung bleibt kaum Platz, um die neue Wirklichkeit der Städte und Provinzen einzufangen.

Das ZDF ist da einen Schritt weiter: Am Montag haben sich die Programmverantwortlichen einen Krimi-Platz geschaffen, in dem pointiert und präzise örtliche Eigenheiten verhandelt werden. Ob der Spreewald ("Der Tote im Spreewald"), das Wendland ("Ein Dorf sieht Mord") oder Nordfriesland ("Mörder auf Amrum") - auf den ersten Blick wenig aufregend erscheinende Regionen werden beim Zweiten als Krimi-Setting präsentiert und auf die Fernsehlandkarte gebracht. Fiktionale Strukturförderung darf man das nennen: Auf einmal erschließen sich dem Beobachter Provinzen und Urlaubsparadiese ganz neu und zeigen ein Stück zuvor kaum im Fernsehen gesehene bundesrepublikanische Wirklichkeit. Und: Sauspannend sind die meisten Montags-Krimis auch. Christian Buß

ARD: 0,5 Punkte - ZDF: 1 Punkt

insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
jayred 15.04.2010
1. öhm...
also was krimis und talkshows angeht fände ich es eigentlich ganz erholsam, wenn da einer mal wieder was anderes machen würde. es wird ja nur noch gemordet, schwadroniert und ggf. noch ein wenig gekocht. oder alles zusammen. als gäbe es nicht noch andere möglichkeiten, zu informieren und zu unterhalten.
Foul Breitner 15.04.2010
2. 7. Teil: Wo bekommt man die beste Sport-Berichterstattung?
Hier schließe ich mich an. Aber ich glaube, das ZDF bringt am Sonntag ( nach drei Stunden Wintersport ) eine Sportreportage mit Hintergründen. War jedenfalls mal so. Die Fußballberichterstattung ist auch verbesserungsfähig. delling und Steinbrecher + die Quotenfrau von Sportstudio sind einfach zu lahmarschig und inkompetent. Hier kann man von den Engländern lernen. Die kennen sich im Deutschen Fußball gut aus und vor allem halten sie während des Spiels auch mal die Klappe
Eva B, 15.04.2010
3. Danke, ARD ...
... dass ihr den großartigen, total bekloppten Kurt Krömer sendet - wenn auch leider viel zu spät. Der Soap-Müll am Vorabend ist dagegen verzichtbar und sollte besser den Privaten überlassen werden.
yato, 15.04.2010
4. ARD - wirkt weitgehend verkrustet und tiefgefroren
Auf meiner Fernbedienung ist das Erste inzwischen auf Platz 8 und wenn ich zufällig mal die Tagesschau oder Tagesthemen in ihrer Steifheit sehe, dann erinnert mich die Szene und die normierten und steifen Nachrichtensprecher an die Nachrichten Sendung der früheren DDR. Das Gegenteil eines Ulrich Wickerts oder Hans-Joachim Friedrichs. Vieles im Ersten erscheint erstarrt und viel zu festgefahren. Oder das Beispiel Anne Will am letzten Sonntag, dort haben immer noch die Kirchen die grosse Klappe, so als ob nichts wäre und dürfen ungebremst zum Beispiel gegen Schwule hetzen, einfach schon deshalb, weil von 5 Gästen 3 Pro Kirche eingeladen werden. Das passt zu diesem viel zu konservativen und teils anachronistischen Sender. Und wenn schon GEZ, dann bitte keinerlei Werbung!
W. Robert 15.04.2010
5. Abschaffen
Ich bin ziemlich wählerisch und suche mir die wenigen Highlights über eine Programmzeitschrift aus. Das sind beim "Ersten" vielleicht 10 Spielfilme pro Jahr, die mich interessieren und die ich evtl aufzeichne. Ganz selten schaue ich mal in eine politische Diskussion rein, um festzustellen, dass noch immer die üblichen selektierten Labertassen Müll erzählen und unsägliche "Moderatoren" einfach nerven mit ihrer Brüllaffen-Diskussionskultur. Das Hauptziel der ARD scheint es zu sein, das Volk mit selten dämlichen "Kriminalmachwerken" zu verblöden. Meiner Meinung nach ist der Auftrag komplett verfehlt, zu allem Übel gibt es noch "Werbefernsehen" bei diesem Zwangs-Pay-Irrsinn. Statt gute Spielfilme zu fördern wird eher gezielt verhindert, der deutsche Film ist völlig ruiniert von diesen Quotenbarbaren. Ich hoffe, dass meine Stimmung in Bezug auf diese GEZ-Mafia halbwegs klar gerworden ist :)
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