Manifest #actout Fast 200 Menschen aus Theater und Film verlangen mehr Anerkennung

Mit einem Manifest machen 185 Schauspielerinnen und Schauspieler, Non-Binäre und Transmenschen ihre sexuelle Identität öffentlich: »Bisher konnten wir mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne berufliche Konsequenzen zu fürchten.«
Aktivisten Hanczewski, Giese: »Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm«

Aktivisten Hanczewski, Giese: »Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm«

Foto: picture alliance / dpa; Hannes Magerstaedt / Getty Images

Fast 200 deutsche Schauspielerinnen, Schauspieler, Non-Binäre und Transpersonen haben mehr Anerkennung für unterschiedliche sexuelle Orientierungen und zugleich mehr Sichtbarkeit in Film und Fernsehen gefordert. Die Gruppe verlangt in einem gemeinsamen Manifest  mehr diverse und ambivalente Rollen, lebensnahe Drehbücher und mehr Fantasie bei der Besetzung, wie das Magazin der »Süddeutschen Zeitung« berichtet. Als nichtbinär bezeichnen sich Menschen, die sich weder als ausschließlich männlich noch ausschließlich weiblich verstehen.

185 Künstler machen in dem Magazin öffentlich, dass sie homosexuell, bisexuell, transgender, queer oder intersexuell (LGBTQI) sind. Noch immer würden queere Schauspieler und Schauspielerinnen in der Kunst marginalisiert und im Leben diskriminiert, heißt es in der Erklärung, die unter anderem Ulrich Matthes, Mavie Hörbiger, Mark Waschke, Maren Kroymann und Jaecki Schwarz unterstützen: »Bisher konnten wir in unserem Beruf mit unserem Privatleben nicht offen umgehen, ohne dabei berufliche Konsequenzen zu fürchten«, heißt es in dem Manifest.

Karin Hanczewski, die im Dresdner »Tatort« die Kommissarin Karin Gorniak spielt, sagte dem Magazin, sie hatte »immer den utopischen Wunsch, dass es, wenn ich mich mal oute, eine politisch-gesellschaftliche Relevanz hat«. Als Gruppe hätten sie nun die Chance, etwas zu verändern.

Den Künstlern geht es darum, als Minderheit sichtbar zu sein. In der Familie oder im Freundeskreis hätten sie ein Coming-out hinter sich, sagt Godehard Giese, der unter anderem in »Babylon Berlin« spielte. »Aber wir sind mit unserer sexuellen Identität in der Öffentlichkeit nicht sichtbar. Es wird immer angenommen, man gehöre zur Norm.« Sein Kollege Jonathan Berlin (»Die Freibadclique«) bezeichnet es als »Akt der Selbstliebe«, sich zu outen. Als Jugendlichem hätten ihm Vorbilder gefehlt, »um damit freier umgehen zu können«.

In Gesprächen mit dem Magazin berichten weitere Schauspieler, wie sie beim Casting, in Fernsehredaktionen oder von Agenturen oft gewarnt worden seien, ihre Sexualität nicht offen zu leben, weil sie dann für heterosexuelle Rollen nicht mehr infrage kämen.

Die Angst vor dem Ende der Karriere sei immer noch groß. Auch gegen diese Entwertung ihrer Kunst wehrt sich die Künstlergruppe. »Wir müssen nicht sein, was wir spielen. Wir spielen, als wären wir es – das ist unser Beruf«, heißt es in dem Manifest.

Diversität sei in Deutschland längst gesellschaftlich gelebte Realität, schreiben sie. Diese Vielfalt soll durch die Film- und Fernsehbranche abgebildet werden. Das Publikum sei bereit dafür.

feb/dpa/AFP
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