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FKK-Kuppelshow: Schöne Augen, haarige Hintern

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Nackt-Kuppelshow bei RTL Blanke Banalität

Nackte Frau am Strand trifft nackten Mann am Strand - das ist das simple Konzept von RTLs neuer Nackt-Datingsendung "Adam sucht Eva". Das Ergebnis: maximal banale Plaudereien im Paradies und eine aufsteigende Vorfreude auf Daunenjacken.

Nackte sind nicht immer erfreulich. Das gilt für unfreiwillige optische Fremdbebömmelung durch die freischwingenden Handtuchnachbarn am Strand genauso wie für allzu penetrante mediale Blankzieher. Bei der aktuellen Staffel "Promi Big Brother" wurden kürzlich von den Zuschauern gerade die beiden Kandidatinnen frühzeitig aus der Sendung gewählt, die vor allem durch nacktes Herumtändeln und Dauerbebusung aufgefallen waren.

"Adam sucht Eva" setzt trotzdem unverdrossen auf Komplettenthüllung. Das schlichte Konzept: Nackte Menschen lernen sich auf einer einsamen Südseeinsel kennen, Ziel ist die finale Verkuppelung. Nackt sind sie dabei keinesfalls deshalb, damit die datingshowmüden Zuschauer etwas Neues zum Gaffen haben, sondern aus absolut hehren, erhabenen Motiven: Nur so sei es möglich, einander völlig unbelastet von Äußerlichkeiten und Vorurteilen wahrhaft kennenzulernen.

"Das, was uns normalerweise hemmt, hinter uns lassen", "die Suche nach der einen, wahren Liebe in ihrer reinsten Form", muss Moderatorin Nela Lee tolldreist salbadern. Dazu werden -Mark Twain-Zitate zu neo-hippiesken Kalendersprüchen verwurstet: "Also wirf die Leinen fort und segle fort aus deinem sicheren Hafen. Fange den Wind in deinen Segeln. Forsche. Träume. Entdecke."

"Ich hab halt 'nen behaarten Arsch"

Mit einem Floß paddeln die Kandidaten getrennt voneinander der Insel entgegen und entledigen sich dabei ihrer Kleidung. "Ich könnte mir vorstellen, dass es die ganze Zeit irgendwie aufreizend ist, sexuell", sagt Ricarda, die 23-jährige Medizinstudentin, und das ist natürlich ein völlig abwegiger Gedanke. "Die Natur ist auf unserer Seite", sagt Thomas, der 27-jährige Berufsberater, nur einen kleinen Haken gebe es dabei: "Ich hab halt 'nen behaarten Arsch."

Zwei Tage und eine Nacht verbringen beide zusammen auf der Insel, "wie einst Adam und Eva", was nimmermüde repetiert wird. Zwar waren diese beiden nackten Ur-Racker dem Vernehmen nach ein bisschen länger im Paradies und hatten mutmaßlich auch keinen Champagner und keine "Lovebag" dabei - so heißt der zugestandene Accessoire-Beutel, in dem Ricarda ihr "supergünstiges Parfüm" auf die Insel transportiert, um sich damit in strategischen Momenten einzudieseln. Ganz wie bei Adam und Eva, man kennt die einschlägigen Bibelstellen.

Nackend gehen Ricarda und Thomas also am Strand zum ersten Mal aufeinander zu, die Kameraführung ist dezent tastend, und dann beginnt die denkbar unverkrampfteste, natürlichste und reinste Kommunikation aller Zeiten: Was, du auch aus Köln? Irre! Äh. Hm. Welche Tiere auf der Insel wohl so leben? "Schöne Augen" und einen "super Haarschnitt" habe Ricarda, gibt Thomas anschließend glühohrig zu Protokoll, das Offensichtliche sonderbar ungelenk umschiffend.

Ankunft des Zweitadams

Es folgen banale Plaudereien, Bananenverzehr und Geschirrabwaschen, eben all das, was man sich so unter dem Leben im Paradies vorstellt. Während des gemeinsamen Nachtlagers wird natürlich ein bisschen angefasst, alles verläuft planmäßig und könnte auch kaum langweiliger sein, wenn beide Jogginganzüge oder rentnerbeigefarbene Übergangsblousons trügen. Doch dann nähert sich ein weiteres Nudistenzubringerfloß, darauf Ricardo, 31 Jahre, Gastronom. Er soll als Zweitadam an der trauten Paradiesspießigkeit rütteln und ist zu diesem Zwecke deutlich muskelbepolsterter als der amtierende Adam Thomas: "Ich stehe in einem guten Verhältnis zu meinem Körper."

Wenngleich dramaturgisch notwendig, macht Ricardos Ankunft die Busen-Hintern-Kuppelei vollends zum albernen Bauerntheater. "Ich bin gerade so am Muschelsammeln, und was machst du hier so?", fragt Ricarda. "Ich lauf am Strand rum und hab dich gesucht", sagt Ricardo. Thomas geriert sich derweil angesichts des unerwarteten Rivalen wie ein eifersüchtiger Pennäler. Um den Adamüberschuss einzudämmen, wird ein Malwettbewerb angeordnet - beide Ricarda-Aspiranten müssen ein Porträt von ihr malen, nicht ohne dabei weitere Unsäglichkeiten aufzusagen: "Was sind das für Pinsel?" - "Richtig geile Pinsel." Fehlt nur noch ein spontan anberaumtes Wurstschnappen.

"Sexy sexy, richtig geil"

Pump-Ricardo malt natürlich viel besser und darf daraufhin in einem Einzeldate mit Ricarda lebemännisch davon berichten, auch mal "einfach nur so auf einen Kaffee" nach Barcelona zu reisen. Thomas bastelt derweil eine Muschelkette als Liebesgabe, so ganz scheint es mit dem Verzicht aufs Materielle nicht hinzuhauen. Ehe man sichs versieht, kommt die Suche nach der einen, wahren Liebe dann zu einem jähren Ende, indem Moderatorin Nela Lee (der man sehr dringend ein weniger dümmliches Format wünscht) dreimal in eine Pu-Muschel trötet.

Ricarda entscheidet sich vorhersehbarer Weise für Thomas, und zur Belohung dürfen sich beide schließlich angezogen und herausgeputzt begutachten - schließlich muss Thomas nun entscheiden, ob er seine Nacktbekanntschaft auch mit Kleidung akzeptabel findet. "Ich würde schon fast sagen, mein Adam ist angezogen heißer als nicht angezogen", findet Ricarda angesichts des bekleideten Auserwählten, und das ist nicht wirklich ein Kompliment.

Auch Thomas findet sie in Kleidern augenscheinlich irgendwie besser: "Sexy, sexy, richtig geil. Wow-wow, heftig." Wenn dies das Resultat eines ganz natürlichen, unverstellten Kennenlernens und Eintauchens in das reine Sein des anderen ist, kann man, falls irgendwer mal irgendwen kennenlernen möchte, nur dringend für größtmögliche Unnatürlichkeit und Gestelztheit plädieren. Im Zweifel dabei einfach noch eine Daunenjacke zusätzlich drüberziehen.

Zur Autorin

Anja Rützel, Jahrgang 1973, taucht für den SPIEGEL unter anderem im Trash-TV-Sumpf nach kulturellem Katzengold. In ihrer Magisterarbeit erklärte sie, warum »Buffy the Vampire Slayer« eine sehr ausführliche Verfilmung der aristotelischen Argumentationstheorie ist. Sie glaubt: »Everything bad is good for you« – und dass auch »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« tieferen Erkenntnisgewinn liefern kann. Ihr Buch über ihre Liebe zu Take That erschien als Teil der Musikbibliothek bei Kiepenheuer und Witsch.

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