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17. September 2014, 11:08 Uhr

"Love" im US-Videodienst

Comedy-König Apatow produziert Serie für Netflix

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Kaum ist Netflix auf dem deutschen Markt, überrascht der Videodienst mit dem Engagement von US-Regisseur Judd Apatow. Der Komödienkönig soll eine neue Serie produzieren. Die Erwartungen sind hoch, das Thema erwartbar: Es geht um Liebe.

Wem der Name Judd Apatow nicht direkt etwas sagt, der erinnert sich womöglich zumindest an seine erfolgreichsten Schöpfungen: die Eheleute Pete (Paul Rudd) und Debbie (Leslie Mann), die der US-Filmemacher in seiner Tragikomödie "Immer Ärger mit 40" zuletzt in eine tiefe Sinnkrise stürzen ließ - obwohl sie in Apatows erstem Erfolgsfilm "Beim ersten Mal" 2007 noch als überglückliches Paar zu sehen waren.

Was dieses Faible für tragikomische Wendungen angeht, bleibt sich Apatow auch bei seinem neuesten Projekt treu, ebenso wie seinem Hang zu Liebesgeschichten: Für den US-Videodienst Netflix produziert der 40-Jährige nun aber keinen Film - sondern eine Serie, das prägende Format unserer Zeit. Wie Netflix auf Twitter bekannt gab, soll Apatows neuestes Comedy-Werk den Namen "Love" tragen.

Statt Drama und Katharsis: nur Chaos

Komödienspezialist Apatow selbst kann es offenbar kaum erwarten, die beiden geplanten Staffeln zu produzieren: "Müssen wir sie sofort schreiben?", fragt er auf Twitter: "Heute? Morgen?" Tatsächlich wird Apatow wohl bald schon loslegen, zumal die Besetzung der Hauptrollen schon feststeht: Paul Rust ("I Love You, Beth Cooper") und Gillian Jacobs ("Community") sollen als das Liebespaar Gus und Mickey auftreten. Die erste Staffel kommt den Branchendiensten "Deadline" und "Variety" zufolge 2016 auf die Bildschirme, die zweite folgt im Jahr darauf.

Ungewöhnlich ist, dass Apatow von Netflix die Zusage für gleich zwei Staffeln bekam. Der Videodienst braucht jedoch einen veritablen Coup, um auf dem europäischen Markt rasch Fuß zu fassen. Denn vor allem in den deutschen Markt steigt Netflix vergleichsweise spät ein, da es mit Maxdome, Watchever, Amazons Prime Instant Video und Sky Snap bereits etablierte Konkurrenten gibt. "Love" soll offenbar helfen, Netflix einen Platz auf dem Markt zu erkämpfen. Die erste Staffel soll laut "Deadline" zehn Episoden umfassen, die zweite sogar zwölf. Am Drehbuch haben demnach Rust und Lesley Arfin mitgearbeitet, Koproduzent ist Brent Forrester.

Beim US-Videodienst ahnt man vermutlich, wie Erfolg versprechend das Engagement Apatows ist: In seinen Filmen gab es bislang keine großen Entwicklungsdramen, keine Katharsis - sondern vor allem Chaos, das es zu bewältigen galt. Dieses Leitmotiv zieht sich durch fast alles, was Apatow im vergangenen Jahrzehnt gedreht, geschrieben oder produziert hat - mit riesigem Erfolg. Für Netflix, dessen Angebot seit Dienstag auch in Deutschland verfügbar ist, könnte sich das Engagement Apatows also als kluger Zug erweisen.

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